TNT prüft rechtliche Schritte gegen Post-Mindestlohn

05.12.2007 15:17 Uhr

Nach der Ankündigung von Massenentlassungen beim privaten Postdienstleister PIN Group prüft auch der Konkurrent TNT Post Deutschland Konsequenzen aus der Einführung eines Mindestlohns für die Branche.

Ratingen. „Wir beobachten die aktuelle Entwicklung sehr genau und prüfen alle Optionen – einschließlich juristischer“, sagte am Mittwoch der Vorstandschef von TNT Post Deutschland, Mario Frusch, in Ratingen. Das Unternehmen hat 6000 Mitarbeiter in Deutschland, davon sind 4000 Zusteller. Der Hauptsitz der TNT-Gruppe ist in den Niederlanden. Auch TNT Post sei für einen Mindestlohn, aber Löhne müssten immer auch im Verhältnis zur Produktivität stehen. Die Deutsche Post sei wegen ihres Marktanteils von 90 Prozent und wegen ihrer Befreiung von der Mehrwertsteuer im Vorteil. „Einen Mindestlohn in der diskutierten Höhe kann sich außer der Deutschen Post niemand leisten“, sagte Frusch. In der vergangenen Woche hatte sich die Bundesregierung darauf verständigt, zum 1. Januar 2008 einen Post-Mindestlohn von 8,00 bis 9,80 Euro pro Stunde einzuführen. Zu diesem Zeitpunkt fällt das Briefmonopol der Deutschen Post weg. Am Dienstag hatte der private Postzusteller PIN Group Massenentlassungen von weit über 1000 Mitarbeitern bekanntgegeben. Er sei enttäuscht über die Entscheidung der Bundesregierung, sagte Frusch. „Einer ganzen Branche auf Druck der Deutschen Post AG überhöhte Mindestlöhne zu diktieren, halte ich für eine politische Fehlentscheidung.“ Wettbewerb sei unter diesen Bedingungen nicht möglich. Es entstehe eine Lohn- und Inflationsspirale mit großen betriebs- und volkswirtschaftlichen Konsequenzen. Die neuen Postdienstleister seien ignoriert und vollständig von der Entscheidungsfindung ausgeschlossen worden.

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