25 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sollen es jetzt noch werden. Das sind etwa 77 Prozent weniger als das ursprünglich versprochene Ebit von 109 Millionen Euro. Statt mit den geplanten 1,62 Milliarden Euro Umsatz rechnen die Luxemburger nun mit einem Umsatz von 1,45 Milliarden Euro. "Unvorhersehbare Ereignisse" haben diese Ergebniskorrektur nötig gemacht, heißt es aus dem Hause Thiel. Dazu zählten Managementfehler bei der Schweizer Tochter Brechtbühl (BTL), die verschlechterte Branchenkonjunktur im Modesektor und die nun doch höheren Kosten für die Integration von Birkart Globistics. Mit dem BTL-Management sei es in der Vergangenheit zu Unstimmigkeiten bei der Umsetzung der strategischen Ziele gekommen, erklärt der Vorstandsvorsitzende Günter Thiel. Mittlerweile sei das Führungskräfteteam aber ausgetauscht. Die gemachten Fehler hätten dazu geführt, dass sich der Standort nicht mit der geplanten Kapazität fahren lasse. Daraus resultiere statt des erwarteten Gewinns ein Verlustbeitrag von BTL. Die im Modebereich vorgehaltenen Kapazitäten seien nicht anderweitig nutzbar, so das der Konzern durch den Mengenausfall auf den Fixkosten sitzen bleibe. Bei Birkart sei die Zusammenlegung von Standorten und IT-Systemen komplizierter als erwartet. Die Integrationskosten würden sich dadurch auf etwa 30 Millionen Euro verdoppeln. Mit der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal will der Unternehmensgründer Maßnahmen zur Lösung der Probleme präsentieren. Völlig unvorhersehbar kam die Gewinnwarnung nicht. Erst vor kurzem hatte Thiel-Finanzvorstand Rudolphe Schoettel erklärt, dass der niedrige Aktienkurs einen schlechten Einfluss auf das operative Geschäft habe. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen "keinesfalls" mit einer weiteren Korrektur der Jahresprognose. "Wir haben alle operativen Risiken in unserer revidierten Jahresprognose berücksichtigt", erklärt Schoettel. Nach dem plötzlichen Teilausstieg der Großinvestoren Lorenzo Holding und Industrial Performance im Juni, könnte nun wieder der Verdacht aufkommen, die haben doch etwas gewusst und noch rechtzeitig die Reißleine gezogen. Thiel dementiert dies.
Thiel erklärt Gewinneinbruch
Der Logistikdienstleister Thiel Logistik senkt seine Geschäftsprognose für das laufende Jahr drastisch.