In den Tarifverhandlungen für den Groß- und Außenhandel gibt es einen Pilotabschluss in Bayern. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi und des Arbeitgeberverbands LGAD steigen die Entgelte der rund 240.000 Beschäftigten im Freistaat ab dem 1. August um 2,9 Prozent. Zum 1. Mai soll es um weitere 2,1 Prozent nach oben gehen – bei einer Laufzeit von 24 Monaten bis Ende April 2028.
Grundlage für weitere Tarifabschlüsse
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGAD) geht davon aus, dass „dieses Ergebnis Grundlage für weitere Abschlüsse in den anderen Tarifgebieten sein wird“. Auch die Gewerkschaft Verdi sieht auf Bundesebene eine Signalwirkung. Die Erklärungsfrist, innerhalb derer beide Seiten das Ergebnis für Bayern bestätigen müssen, läuft bis zum 4. August. Während der Tarifverhandlungen gab es Warnstreiks.
Laufzeit von 24 Monaten
Der Verhandlungsführer des LGAD, Frank Hurtmanns, betonte, dass die Sozialpartner unter außergewöhnlichen Rahmenbedingungen erneut ihre Handlungsfähigkeit bewiesen hätten. „Mit der Laufzeit von 24 Monaten und einer zügigen Tarifeinigung wurde Planungssicherheit für die Unternehmen erreicht und der Betriebsfrieden sichergestellt.“
Arbeitgeber sehen schmerzhaften Kompromiss
„Der Tarifabschluss ist ein schmerzhafter Kompromiss, mit dem wir als Arbeitgeber nach äußerst schwierigen Verhandlungen an die Grenze des Machbaren gegangen sind. Angesichts der sich immer weiter eintrübenden Konjunktur haben sich eine Reihe von Unternehmen sehr schwergetan, dieses Ergebnis mitzutragen. Wir hatten auf mehr Entgegenkommen der Gewerkschaftsseite gehofft. Der Abschluss wird die Unternehmen stark belasten“, sagte Volker Schlinge, Vorsitzender des Tarif- und Sozialpolitischen Ausschusses des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) zu dem Tarifabschluss im Tarifgebiet Bayern.
Verdi sieht Signalwirkung für den Einzelhandel
Der bayerische Verdi-Verhandlungsführer Thomas Gürlebeck erwartet von der Einigung auch eine Signalwirkung für den Einzelhandel, wo derzeit ebenfalls Tarifgespräche laufen. Bernd Ohlmann vom für den Einzelhandel zuständigen Handelsverband Bayern sagte: „Natürlich verfolgen wir das sehr genau, aber jede Branche hat eigenen Kostenstrukturen. Deshalb lassen sich die Ergebnisse aus dem Groß-und Außenhandel nicht eins zu eins auf den Einzelhandel in Bayern übertragen.“