Deutsche Industrieunternehmen sind heute besser gegen Störungen ihrer Lieferketten gewappnet als noch vor wenigen Jahren. Produktionsstillstände haben abgenommen und Lieferengpässe wirken sich seltener stark auf die Betriebe aus. Gleichzeitig wächst jedoch der wirtschaftliche Druck durch hohe Energie-, Fracht- und Beschaffungskosten.
Das geht aus dem aktuellen Lieferkettenreport von reichelt elektronik hervor, für den 500 Industrieunternehmen in Deutschland befragt wurden. Trotz robusterer Lieferketten blicken viele Betriebe skeptisch auf die kommenden Monate.
Produktionsstillstände gehen deutlich zurück
Nur noch 25 Prozent der Unternehmen berichten von großen Auswirkungen durch Lieferkettenengpässe. Im Vorjahr waren es noch 32 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich die Verbesserung bei Produktionsunterbrechungen.
Während Maschinen und Betriebsabläufe vor drei Jahren im Durchschnitt noch 31,8 Tage stillstanden, waren es 2026 nur noch 20,1 Tage. Fast jedes vierte Unternehmen blieb komplett von Stillständen verschont. 2025 war dies lediglich bei 16 Prozent der Fall.
Eine schnelle weitere Verbesserung erwarten die Unternehmen allerdings nicht. 51 Prozent rechnen in den nächsten Monaten mit keiner Veränderung der Liefersituation.
Geopolitische Konflikte sorgen für Unsicherheit
Als Risiken für die Lieferketten nennen die Unternehmen insbesondere internationale Konflikte. 60 Prozent erwarten negative Auswirkungen durch den Krieg zwischen Iran und den USA. Fast ebenso viele sehen den Krieg Russlands gegen die Ukraine als Belastung. Auch Handelskonflikte zwischen der EU und China bereiten den Unternehmen Sorgen.
Damit verschiebt sich der Fokus zunehmend von der reinen Verfügbarkeit von Waren und Bauteilen auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen internationaler Lieferketten.