Prewave erweitert seine Plattform für das Lieferketten-Risikomanagement um das Lösungsportfolio „Quantified Resilience“. Unternehmen sollen damit nicht nur Risiken und Störungen in ihren Lieferketten erkennen, sondern auch deren mögliche finanzielle Auswirkungen auf das eigene Geschäft bewerten können.
Dafür verbindet Prewave seine globalen Risikodaten mit unternehmenseigenen Informationen. Dazu können Stücklisten, Lagerbestände, alternative Bezugsquellen oder Absatzzahlen gehören. Spezialisierte KI-Agenten übernehmen auf dieser Grundlage Rechercheaufgaben, priorisieren Risiken und sollen deren mögliche Folgen für das Unternehmen quantifizieren.
KI-Agenten priorisieren Lieferkettenrisiken
Ein erster Bestandteil des neuen Portfolios ist „Prewave Respond“. Die Lösung führt unterschiedliche Risikosignale zusammen und bewertet, welche Ereignisse unmittelbaren Handlungsbedarf auslösen und welche zunächst weniger dringlich sind.
Dabei berücksichtigt die Plattform neben globalen Ereignissen auch Lieferantenstandorte, Tier-N-Beziehungen und Abhängigkeiten von Rohstoffen. Durch die Verknüpfung mit Supply-Chain- und ERP-Daten des jeweiligen Unternehmens soll erkennbar werden, welche Produkte, Materialien und Lieferanten von einer Störung tatsächlich betroffen sind.
Weniger Aufwand bei der Bewertung von Störungen
Wie stark sich dadurch der Rechercheaufwand reduzieren kann, zeigt Prewave am Beispiel der Vaillant Group. Bei einem Erdbeben in Kumamoto habe die Plattform nach Angaben des Unternehmens rund 50 zunächst identifizierte Lieferanten auf elf reduziert, die näher geprüft werden mussten.
Der Ansatz soll Risk Manager dabei unterstützen, schneller zwischen einer allgemeinen Warnmeldung und einer tatsächlich relevanten Gefahr für Produktion oder Lieferfähigkeit zu unterscheiden.
Finanzielle Folgen von Lieferkettenproblemen berechnen
Über die reine Priorisierung hinaus soll „Quantified Resilience“ mögliche finanzielle Auswirkungen einer Störung berechnen. Dafür werden beispielsweise Lagerbestände, Stücklisten und Umsatzinformationen berücksichtigt.
Unternehmen sollen damit besser bewerten können, bei welchen Risiken zusätzliche Absicherungsmaßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sind. Investitionen in resilientere Lieferketten könnten so anhand konkreter finanzieller Auswirkungen priorisiert werden.
Prewave Optimise soll Risiken und Kosten austarieren
Einen weiteren Schritt plant Prewave mit „Prewave Optimise“, das sich derzeit in der Beta-Phase befindet. Die Lösung soll Unternehmen Hinweise darauf geben, wo ihre Lieferketten möglicherweise stärker als notwendig abgesichert sind und an welchen Stellen weiterhin relevante Risiken bestehen.
Langfristiges Ziel ist laut Anbieter ein Lieferantennetzwerk, das Widerstandsfähigkeit und Kosten entsprechend der individuellen Risikobereitschaft eines Unternehmens miteinander ausbalanciert.
KI gewinnt im Supply-Chain-Management an Bedeutung
Hintergrund der Entwicklung sind zunehmend komplexe globale Lieferketten. Geopolitische Konflikte, Handelsstreitigkeiten und Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten oder Regionen erhöhen für Unternehmen den Aufwand im Risikomanagement.
Mit dem neuen Ansatz versucht Prewave deshalb, den Schwerpunkt von der reinen Erfassung möglichst vieler Risikosignale auf deren konkrete geschäftliche Bedeutung zu verlagern. Für Einkauf und Supply-Chain-Management soll damit schneller erkennbar werden, welche Störungen tatsächlich Handlungsbedarf auslösen und welche finanziellen Folgen im jeweiligen Unternehmen drohen.