Mannheim. Der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) hat an die Bundesländer appelliert, die für den 1. Januar 2009 vorgesehene Erhöhung der LKW-Maut um ein Jahr zu verschieben. „Angesichts der Finanzkrise und der Konjunkturschwäche ist dieser Termin der absolut falsche Zeitpunkt“, sagte der Präsident des DSLV, Michael Kubenz, heute vor der Presse anlässlich des DSLV-Unternehmertages in Mannheim.
In einem Umfeld, in dem die Auftraggeber wie die Autoindustrie Schichten ausfallen lassen, sei es für die Spediteure äußerst schwierig, die höhere LKW-Maut in den Frachtraten weiterzugeben. Deshalb hat Kubenz in einem Brief an die Ministerpräsidenten der Länder nochmals eindringlich appelliert, dass diese bei der Abstimmung im Bundesrat am 7. November ihre Zustimmung zu der Erhöhung verweigern.
Kubenz kritisierte die Zahlen, die von Regierungsseite zu den Folgen der Mauterhöhung immer wieder genannt werden. „Die geplante Erhöhung wird deutlich teuerer ausfallen, als der Bundesverkehrsminister uns und vor allem der Öffentlichkeit glauben machen will“, sagte der Präsident. Viele Unternehmen würden aufgrund der Zusammensetzung ihrer Fahrzeugflotte rund 19 Cent pro Kilometer zahlen müssen. Dabei beruft sich der Inhaber der Spedition Kube & Kubenz auf eine Erhebung der Vereinigung der Sammelgutspediteure (Versa) im DSLV. „Die Angabe der Bundesregierung, der durchschnittliche Mautsatz werde nur auf 16,3 Cent erhöht, ist so nicht richtig“, sagte er. Zwar sei derzeit eine Entspannung auf dem Treibstoffmarkt zu beobachten, die den Unternehmen zugute kämen. „Aber spätestens, wenn die Heizölnachfrage im Winter wieder steigt, ist dieses Strohfeuer wieder vorbei“, prognostiziert Kubenz wieder steigende Dieselpreise. Er gestand auf Nachfrage der VerkehrsRundschau jedoch ein, dass die Wahrscheinlichkeit gering sei, mit diesem Vorstoß noch die Mauterhöhung zum 1. Januar zu verhindern.
Sollte der Bundesrat die Maut wie geplant durchwinken, ist laut Kubenz mit mehr Insolvenzen zu rechnen: „Schon jetzt merken wir: Die Einschläge kommen dichter, weshalb ein Aussetzen von existenzieller Bedeutung für viele Unternehmen wäre.“
Ein weiteres Thema auf der Unternehmertagung war die Fusion zwischen den beiden Verbänden Bundesverband Spedition und Logistik (BSL) und Vereinigung der Kraftwagenspediteure (VKS). Beide Verbände arbeiten seit 2003 unter dem Dach des DSLV zusammen und hatten damals die Fusion beschlossen. Dieser Prozess war zuletzt ins Stocken geraten. Laut Kubenz soll die Fusion nun 2009 vollzogen werden. Dann werde 2009 von den Unternehmern direkt ein 35 Personen umfassender Vorstand gewählt sowie ein fünfköpfiges Präsidium. Dazu hat der BSL in Mannheim sein Präsidium im Amt bestätigt (Manfred F. Boes, Heinz J. Schollmeier, Walter W. Stork) und um drei weitere „kooptierte Mitglieder“ ergänzt (Harry Dumser (Wincanton), Matthias Krage (Krage Speditionsgesellschaft) und Willem van der Schalk (A. Hartrodt)). Die wiedergewählten Präsidiumsmitglieder haben bereits angekündigt, nur bis zur endgültigen Fusion 2009 im Amt zu bleiben und dann auszuscheiden. Auch Kubenz sagte auf der Pressekonferenz, er habe nicht vor, 2009 für ein Amt in dem Gremium zu kandidieren. (cd)