SNCF plant keinen Einstieg bei Deutscher Bahn

24.09.2008 14:07 Uhr
Pepy
SNCF-Chef Guillaume Pepy (Bild: SNCF)
© Foto: SNCF

DB-Chef Mehdorn erhält Prämie für erfolgreichen Börsengang / Französische Staatsbahn sieht großes Potenzial im europäischen Schienengüterverkehr

Berlin. Die französische Bahn SNCF will beim geplanten Börsengang der Deutschen Bahn in diesem Herbst vorerst keine Aktien kaufen. „Die Deutsche Bahn ist ein sehr gutes Unternehmen, wir sind Geschäftspartner und haben eine intensive Zusammenarbeit“, sagte SNCF-Chef Guillaume Pepy der „Deutschen Presse-Agentur“ in Berlin. „Zum jetzigen Zeitpunkt erfordert diese Kooperation keine gegenseitige Kapitalbeteiligung.“ DB-Chef Hartmut Mehdorn, der sich offen für einen Einstieg anderer Bahnen gezeigt hatte, will derweil trotz der weltweiten Finanzmarktkrise an einer baldigen Teilprivatisierung festzuhalten. „Wir sind davon überzeugt, eine sichere Anlage zu werden, die gerade jetzt besonders gefragt ist“, sagte er dem Wochenmagazin „Stern“. Mehdorn erläuterte, dass er für einen erfolgreichen Börsengang eine Prämie bekomme, wie sie als Anreiz für Führungskräfte üblich sei. „Der Eigentümer gibt denen, die die Aktien verkaufen, Möhrchen, damit sie sich anstrengen, diese möglichst teuer zu verkaufen.“ Der Börsengang wird für den 27. Oktober erwartet. Verkauft werden sollen 24,9 Prozent der Tochter DB Mobility Logistics, die den Personen- und Güterverkehr sowie Dienstleistungen vereint. Der französische Bahnchef Pepy sprach sich dafür aus, das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz und grenzüberschreitende Gütertransporte auf der Schiene auszubauen. Im europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr laute das Ziel, für die Kunden ein Netz über längere Distanzen zu etablieren, sagte der 50-Jährige, der seit Februar an der Spitze der staatlichen SNCF steht. Dabei müsse sich erst herausstellen, ob dies auf dem Wege der Kooperation oder im Wettbewerb geschehen werde. Mit seinem deutschen Amtskollegen Hartmut Mehdorn teile er die Überzeugung, dass jeweils das effizienteste System zum Zuge kommen solle. Großes Potenzial biete noch der Frachtverkehr zwischen beiden Ländern, bei dem die Schiene bisher nur einen geringen Marktanteil habe. Im Frühjahr hatte die SNCF den Güterbahnbetreiber Import Transport Logistik (ITL) in Dresden gekauft, um Ost-West-Transporte in Europa zu verstärken. Mit Blick auf die 2010 erwartete Liberalisierung der europäischen Personenverkehrsmärkte sagte Pepy: „Es gibt bereits Konkurrenz, und zugleich gibt es Kooperationen.“ Dies gelte wechselseitig auch für Deutschland und Frankreich. „Die Deutsche Bahn ist bei der Fracht der größte Konkurrent der SNCF in Frankreich unter der Marke ‚Euro Cargo Rail’. Wir sind Konkurrent in Deutschland bei Regionalverbindungen unter unserer Marke ‚Keolis’ mit Holdingsitz in Berlin.“ Pepy nannte es „ein Stereotyp“, dass die SNCF bei der Beschaffung neuer Fahrzeuge den französischen TGV-Bauer Alstom favorisiere. „Wir schauen nicht auf das Etikett des Herstellers, sondern auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.“ So werde eine in einem Jahr anstehende Ausschreibung für eine neue Generation von Hochgeschwindigkeitszügen wie üblich offen für alle Anbieter sein. „Eventuell werden wir dann mehrere unterschiedliche Zugtypen kaufen.“ Die SNCF sei zwar weltgrößter Kunde von Alstom, aber auch des kanadischen Konkurrenten Bombardier Transportation. Siemens sei bei Lokomotiven mit im Spiel. (dpa)

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