Hamburg. Der gemeinsame Kraftakt zur Rettung der schwer angeschlagenen Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde zeigt offenbar Wirkung. Davon konnte sich Hamburgs Hafen – und Wirtschaftssenator Axel Gedaschko heute bei einem Besuch auf der mehr als 370 Jahre alten Werft im Westen Hamburgs überzeugen. Die Hansestadt und der Bund hatten dem Schiffbauunternehmen mit einer Bürgschaft maßgeblich geholfen, um weiter machen zu können. Die neue, seit dem 1. März agierende Geschäftsführung von Rüdiger Fuchs und Rüdiger Wolf berichteten gegenüber Journalisten von zahlreichen „Meilensteinen“ , die in den zurückliegenden 150 Tagen gesetzt wurden. Auch das kündigten sie an: Der Containerschiffbau, die tragende Säule des Unternehmens in den letzten Jahrzehnten, wird eingestellt, weil in den kommenden Jahren einfach zu viel neue Tonnage in den Markt drängt. Wobei die schon jetzt beschäftigte in Teilen unterbeschäftigt ist, betonte das Werft-Management. Fuchs betonte, dass dem Spezialschiffbau die Zukunft gehöre. Hier arbeite man mit Hochdruck an entsprechenden Konzepten, die man dann weltweit vermarkten wolle. Zu den sieben Schiffen, die aktuell im Auftragsbuch stehen gehörten zum Beispiel zwei Schwergutschiffe der neuesten Generation, die für den Stammkunden SAL (Schifffahrtskontor Altes Land) gebaut werden. Der bis zu 20 Knoten schnelle Frachter verfügt über eine Hebekapazität von rund 2000 Tonnen, was ihn damit auf Weltniveau einen Spitzenplatz unter den Schwergutfrachtern sichert. „Dieser Auftrag im Wert von 120 Millionen Euro ist für uns zum jetzigen Zeitpunkt von herausragender Bedeutung“, stellte Fuchs klar. Die übrigen Aufträge seien auch hinsichtlich ihrer Finanzierung ebenfalls wasserdicht. Fuchs berichtete weiter, dass eine der Kernaufgaben des neuen Managements in den zurückliegenden Monaten darin bestand, gegenüber den Auftraggebern und den Lieferanten „mit absoluter Transparenz“ zu arbeiten. Dazu gehörte auch, dass bei den Bestellungen noch einmal nachverhandelt wurde. Ein Schwerpunkt dabei stellten die Bezahlungsabläufe dar. Ab sofort orientiert sich auch die Sietas-Werft an den auf fernöstlichen Werften bereits gängigen Usancen einer Verteilung der Bausumme auf fünf Raten. Sietas will in Zukunft auch anders produzieren. Es soll in den Hallen soviel wie möglich vorgefertigt und ausgerüstet werden. Im Baudock sollen dann die Sektionen nur noch zusammengeführt werden. Damit werde die Produktivität erheblich verbessert, so die Erwartung. Einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt hätten auch die Arbeiternehmer geleistet, betonten alle Beteiligten. So hätten sich die Beschäftigten zu umfassenden Zugeständnissen bei der Vergütung – darunter Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld - bereit erklärt, „weil sie Vertrauen in die Zukunft der Werft haben“, betonten Daniel Friedrich, IG-Metall-Tarifsekretär und Verhandlungsführer während der zurückliegenden Gesprächsrunden und Betriebsratschef Peter Bökler übereinstimmend. Im Gegenzug sei es gelungen, einen Großteil der Beschäftigung bis 2012 zu sichern. Trotzdem verlieren derzeit von den rund 1220 Mitarbeitern der Sietas-Gruppe rund 240 ihren Arbeitsplatz – allerdings erst im nächsten Jahr. Davon allerdings wechseln 71 in die zur Gruppe gehörende Norderwerft, die Neuenfelder Maschinenfabrik und in eine Transfergesellschaft. Aktuell befinden sich 85 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Ein Wert, der für den Rest des Jahres konstant bleiben dürfte. (eha)
Sietas-Werft: Rettungsanstrengungen zeigen Wirkung
Künftig sollen in erster Linie Spezialschiffe gefertigt werden – Das letzte Containerschiff wird Anfang November abgeliefert