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Schweizer Verkehrssystem droht ein Finanzloch

Durch die Berge ist der Bau von Verkehrsinfrastruktur in der Schweiz teuer
© Foto: Imago/Imagebroker

Trotz großem Erfolg der Neuen Eisenbahn-Alpen-Transversale kommen auf die Schweiz deutliche Mehrkosten zu


Datum:
27.04.2011
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Bern. Laut einer Studie werden auf der Neuen Eisenbahn-Alpen-Transversale (Neat) deutlich mehr Güter und Personen transportiert als angenommen. Trotzdem lohnt sie sich betriebswirtschaftlich noch weniger, als dies schon seit Jahren befürchtet wurde.

Die Neat mit Lötschberg- und Gotthardtunnel kostet damit mehr als geplant, und der Betrieb wird teurer als angenommen. Dadurch hat sich laut einer Studie im Auftrag des Bundes die Wirtschaftlichkeit des Bauwerks erneut verschlechtert. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat, wie gesetzlich verpflichtet, die Wirtschaftlichkeit der Neat neu untersuchen lassen. Nach den Erfahrungen mit dem Lötschberg-Basistunnel aktualisierte das Büro Ecoplan die letzten Schätzungen aus dem Jahr 2002, wie das BAV mitteilt.

Vor allem wegen des Erfolgs mit dem Lötschberg rechnet Ecoplan damit, dass die Neat deutlich mehr Güter und Personen bewegen wird als angenommen. Im Schienenverkehr sollen bis 2030 rund 80 Prozent der Kapazität ausgeschöpft sein. Für die Bahnen bedeutet das zwar mehr Einnahmen, aber auch die erwarteten Betriebskosten sind in der Zwischenzeit nochmals gestiegen. In den ersten Jahrzehnten wird aus dem Neat-Betrieb ein Überschuss erwartet. Dazu trägt vor allem der Personenverkehr bei, der alleine fast 90 Millionen Franken (70 Millionen Euro) Zusatzertrag pro Jahr abwerfen soll. Keinen Überschuss dürfte der Güterverkehr erzielen.

Dem Überschuss von insgesamt 96 Millionen Franken (74 Millionen Euro) stehen jedoch Investitionen von jährlich knapp 87 Millionen Franken (67 Millionen Euro) gegenüber, mit denen die Betreiber die Neat-Tunnel unterhalten müssen. Werden diese Ersatzinvestitionen berücksichtigt, bleiben unter dem Strich laut Ecoplan 9 Millionen Franken (7 Millionen Euro) übrig. Somit verdienen die Bahnen und die Betreibergesellschaften der Tunnel mit der Neat insgesamt nur wenig mehr, als sie zusätzlich für Betrieb und Unterhalt sowie für den Substanzerhalt ausgeben müssen.

Beim teuren Substanzerhalt droht in der ferneren Zukunft außerdem ein Finanzloch: In den nächsten Jahren sind zwar kaum Ersatzinvestitionen nötig, doch bis 2070 steigen die Kosten dafür auf rund 300 Millionen Franken (233 Millionen Euro) pro Jahr. Zu finanzieren sei dies nur mit höheren Trassenpreisen, Subventionen oder einer wirksameren Verlagerungspolitik, hält Ecoplan fest.

Die erwarteten 9 Millionen Franken Überschuss sind zu wenig, um auch noch die Kapitalkosten für die Neat-Kredite zu decken. Dass die Neat ihre Baukosten - nach heutigem Wissensstand sind es 23,8 Milliarden Franken (18,5 Milliarden Euro) - nicht decken kann, ist seit Jahren bekannt. Dennoch spricht das BAV von einer ausgeglichenen Wirtschaftlichkeit. Weil die Neat auch verkehrspolitische Ziele erfüllen soll, genüge eine rein betriebswirtschaftliche Sicht nicht. Der Bund ließ deshalb die angefallenen Kosten für die Neat mit ihrem Nutzen für die Schweizer Volkswirtschaft vergleichen.

Auf der Nutzenseite stehen vor allem die kürzere Reisezeit für Menschen und Güter dank der Basistunnel sowie die Entlastung der Umwelt. Allein letzterer Posten schlägt laut der Studie mit jährlich 200 Millionen Franken (155 Millionen Euro) zu Buche. Insgesamt errechnet Ecoplan einen Nutzen von 530 Millionen Franken (412 Millionen Euro) pro Jahr. Die Kosten für das Kapital liegen demgegenüber mit jährlich 560 Millionen Franken leicht höher. Rein rechnerisch ist also die Neat auch volkswirtschaftlich ein Verlust. (hrk) 

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