Piëch zum MAN-Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt – Kampf um LKW-Allianz geht in neue Runde

10.05.2007 17:20 Uhr

Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch hat trotz heftiger Aktionärskritik den Sprung an die MAN- Aufsichtsratsspitze geschafft. Unmittelbar nach der Hauptversammlung habe ihn der Aufsichtsrat am Donnerstagnachmittag zum Vorsitzenden gewählt, teilte die MAN AG in München mit.

München. Als erster stellvertretender Vorsitzender wurde MAN-Konzernbetriebsratschef Lothar Pohlmann in seinem Amt bestätigt. Zweiter stellvertretender Vorsitzender ist der bisherige Aufsichtsratschef Ekkehard Schulz, der Piëch sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. Neben Piëch sind als weitere VW-Vertreter der Chef von VW Nutzfahrzeuge, Stephan Schaller, sowie Audi-Chef Rupert Stadler in dem Gremium vertreten. Bei der Aufsichtsratswahl auf der MAN-Hauptversammlung erhielt Piëch allerdings nur 73,26 Prozent der Stimmen das schlechteste Ergebnis aller Vertreter der Kapitalseite. Üblich sind jeweils Zustimmungsquoten von deutlich über 90 Prozent. Aktionärsschützer hatten zuvor Front gegen ihren Einzug in das Kontrollgremium gemacht, weil sie Piëch einen schlechten Führungsstil vorwerfen. Es sei ein „Skandal“, dass Piëch offenbar vorab Vereinbarungen mit Arbeitnehmervertretern für den Fall eines Zusammenschlusses von MAN mit Scania und den LKW-Aktivitäten von VW getroffen habe, sagte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger am Donnerstag auf der Hauptversammlung. „Es ist so, dass man den Eindruck hat, der Großaktionär führt sich wie die Axt im Walde auf, was mit den freien Aktionären passiert, interessiert nicht“, kritisierte Petersen und gab für den Fall einer Wahl Piëchs und der beiden weiteren VW-Kandidaten Widerspruch zu Protokoll. Zudem kündigte er an, eine mögliche Wahl Piëchs überprüfen zu lassen. Die SdK hat als Gegenkandidaten für Piëch den Corporate-Governance-Experten Christian Strenger vorgeschlagen. MAN-Chef Hakan Samuelsson hat unterdessen die Beteiligten im europäischen LKW-Poker zu einer Allianz „auf Augenhöhe“ aufgerufen. Es gehe um eine Kombination zwischen MAN, dem schwedischen Konkurrenten Scania und den LKW-Aktivitäten von Volkswagen, bei der jede Marke ihre eigene Identität behalte, sagte Samuelsson. In den ersten vier Monaten war MAN unterdessen dank des anhaltenden Lkw- und Schiffsdiesel-Booms gut unterwegs. Von Januar bis April kletterte der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Der Umsatz legte in den ersten vier Monaten um 11 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zu. Das Unternehmen steuere damit ein weiteres Rekordjahr an, sagte Samuelsson und hob zugleich die Renditeziele für die kommenden Jahre an. Piëch will mit dem Einzug in den MAN-Aufsichtsrat seinen Einfluss in der angestrebten europäischen LKW-Allianz ausbauen. VW ist mit einem Anteil von knapp unter 30 Prozent größter MAN-Aktionär. Samuelsson war zum Jahresbeginn mit einem milliardenschweren Übernahmeversuch für Scania am Widerstand der Schweden und ihrer beiden größten Aktionäre VW und Investor gescheitert. Es sei nicht gelungen, sie von dem Angebot und dem Zeitplan zu überzeugen, sagte der MAN-Chef. Es gebe aber nach wie vor „ein breites Verständnis für unser industrielles Konzept“. Daher wolle man nun einen neuen Anlauf für die Kombination unternehmen, damit die Synergien „endlich“ umgesetzt werden könnten. Die VW-Führung habe mehrfach das strategische Interesse am Nutzfahrzeug-Geschäft betont. „Wir sehen in VW einen langfristig stabilen strategischen Anteilseigner, und ich glaube, dass wir in dieser Konstellation gute Voraussetzungen für eine einvernehmliche Lösung haben“, sagte Samuelsson.

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