Berlin/München. Überraschende Entwicklung bei der Suche nach einem neuen Chef für die Deutsche Bahn. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee soll an die Spitze des Staatskonzerns wechseln. Im Gegenzug übernimmt Hartmut Mehdorn das Verkehrsressort.
„Ich werde es zu verhindern wissen, dass die Verkehrspolitik und damit ganz Deutschland in den Ökosozialismus abgleitet“, begrüßte Mehdorn seine neue Herausforderung. In zehn Jahren an der Spitze der Deutschen Bahn habe er gezeigt, wie man aus einem schwerfälligen Beamtenapparat ein modernes, schlankes Unternehmen forme. Spätestens 2012 will Mehdorn sein Ministerium börsenreif sehen, kündigte der 66-Jährige heute an. Als erstes müsse jedoch eine neue Telefonanlage installiert werden. Die alte sei noch abhörsicher, hieß es aus gut informierten Regierungskreisen.
Tiefensee soll dagegen an der Spitze der Deutschen Bahn wieder für Ruhe sorgen und die durch die Datenschutzaffäre verunsicherten Mitarbeiter beruhigen. „Ich freue mich auf diese verantwortungsvolle Aufgabe“, sagte Tiefensee in einer ersten Stellungnahme. Erstes Projekt sei eine Überprüfung der Trassenpreise und die Ausarbeitung eines Masterplans Schiene und Loktraktion. Sein Wechsel an die Konzernspitze wurde dem noch amtierenden Minister mit einem lukrativen Zehn-Jahres-Vertrag versüßt. Tiefensee suche derzeit nach einem kleinen Schloss als Zweitwohnsitz mit Blick auf den Gardasee, erfuhr die VerkehrsRundschau von italienischen Immobilienmaklern.
Aus der großen Koalition gab es viel Zustimmung zu der raschen Personalentscheidung der Regierung. Wie die VerkehrsRundschau aus Kreisen der bayrischen Landesregierung erfuhr, gab selbst CSU-Chef Horst Seehofer zu dieser Rochade sein Okay. Er sei „froh über jeden Ossi, der weniger in der Regierung sitzt“, hieß es. (sb)
Personalrochade: Tiefensee und Mehdorn tauschen die Plätze
Ex-Bahnchef will im Regierungsapparat aufräumen / Tiefensee arbeitet an Masterplan Schiene und Loktraktion