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Panama will mit dem Kanal in die Erste Welt aufsteigen

Der Panamakanal lässt das Land Panama aufblühen
© Foto: ACP

Seit nicht mehr die USA, sondern Panama selbst für den Betrieb des Kanals zwischen zwei Weltmeeren verantwortlich ist, blüht das Land auf. Mit dem Ausbau der fast 100 Jahre alten Wasserstraße soll der Aufschwung nun neue Dimensionen erreichen


Datum:
31.03.2011
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Panama-Stadt. Als alle Welt von der Krise redete, drehten sich in Panama die Baukräne. Maschinen bewegten riesige Erdmassen, um an Pazifik und Atlantik Platz für neue Zugänge zum Panamakanal zu schaffen. Die Erweiterung des Seeweges an der engsten Stelle Amerikas durch ein neues, weitaus größeres Schleusensystem ist im vollen Gange. Spätestens Ende 2014 sollen die ersten Großfrachter der sogenannten Post-Panamax-Klasse mit je 12.000 Containern hier Amerika durchfahren.

"Wir sind stolz auf die panamaische Ingenieurskunst, die in der Lage ist, einen neuen Kanal zu konzipieren und zu bauen", sagte Panamas Präsident Ricardo Martinelli anlässlich einer Inspektionsfahrt entlang der Kanalbaustellen. "Der erweiterte Kanal wird den internationalen Seehandel modernisieren." Der Ausbau werde dem Land neue Einnahmen und eines Tages den Aufstieg in die Erste Welt bescheren.

Erbaut wurde der Panamakanal von 1904 bis 1914 von der US-amerikanischen Regierung und Ingenieuren der aufstrebenden Weltmacht, die Drecksarbeit leisteten Tausende Arbeiter aus aller Welt - vor allem aus der Karibik. Durchgesetzt hatte das Megaprojekt US-Präsident Theodor Roosevelt, Historiker und Hobby-Großwildjäger, der den Kanalbau als die wichtigste Entscheidung seiner Amtszeit betrachtete. Über Jahrzehnte bestimmten die USA die Geschicke Panamas, bis Roosevelts Nachfolger Jimmy Carter in den 1970er Jahren den Rückzug aus der Region durchsetzte.

Bis 1979 war das Land durch die von den US-Amerikanern verwaltete Kanalzone in zwei Hälften geteilt. Bis zur Jahrtausendwende überließen die USA dann vertragsgemäß Panama auch den Betrieb des Kanals, die letzten Soldaten und Verwaltungsbeamten zogen ab. Seit der Übergabe geht es mit Panama bergauf. Heute ist der Kanal Motor und Hauptquelle des Wirtschaftswunders in dem kleinen Land.

Panama-Stadt boomt

Panama-Stadt boomt fast ungebrochen. "Die Wirtschaftskrise hat hier nur eine kleine Delle hinterlassen", sagt ein ausländischer Experte. Mittlerweile ragen Dutzende von Wolkenkratzern in den Himmel über der Stadt am Pazifik. So manchen US-Geschäftsmann ärgert das heute. Der Milliardär Donald Trump zog sich vor wenigen Tagen den Unmut der Panamaer zu, als er sagte, bei den Übergabeverhandlungen hätte Washington mehr herausholen müssen. Carter habe den Kanal für nichts verschenkt. Daraufhin wurde Trump vom Rat von Panama-Stadt zur "unerwünschten Person" erklärt. Um die Panamaer wieder zu beschwichtigen, versprach Trump, dort bald wieder eine Miss-Universum-Wahl abzuhalten.

Doch Panamas Selbstbewusstsein wird nicht von Miss-Wahlen bestimmt, sondern vom Kanal, durch den jedes Jahr viele Millionen Tonnen Fracht befördert werden. "Panama ist zu einem Logistikzentrum der Welt geworden, wo jedes Jahr Millionen Container bewegt werden", sagt der Chef der Kanalbehörde, Alberto Alemán Zubieta. Die Wasserstraße durchfuhren im vergangenen Jahr 14 230 Schiffe, darunter 3031 Containerfrachter. Und in den kommenden Jahren sollen die Zahlen weiter anziehen.

Milliardenschwere Erweiterung der Wasserstraße ist in vollem Gang

Denn die milliardenschwere Erweiterung der Wasserstraße durch internationale Konsortien ist in vollem Gang. Die Zufahrten zu den neuen Schleusen sind ausgebaggert. Allein an der Pazifikseite wurden 27 Millionen Kubikmeter Material bewegt. In diesen Tagen wird mit dem Bau der riesigen Schleusen begonnen, in denen die Schiffe auf insgesamt 26 Meter gehoben und wieder gesenkt werden.

Neu an diesen Anlagen ist, dass der größte Teil des Wassers nicht wie bei den bisherigen Schleusen ins Meer gespült, sondern - wie bei modernen Schleusen in Europa - wiederverwendet wird. Das Niveau des Stausees Gatun, durch den die Schiffe fahren, muss angehoben werden. "Die Erweiterung ist eine riesengroße Herausforderung", sagt Zubieta. "Aber wir sind im Plan." Auch werde der Etat in Höhe von 5,2 Milliarden Dollar nicht überschritten.

Nach der Erweiterung werden auch Frachter mit 12.000 Containern an Bord die 81,6 Kilometer lange Strecke von Panama-Stadt am Pazifik nach Colón am Atlantik durchfahren können. Bisher fassten die Schiffe "nur" bis zu rund 4000 Container. Und nach wie vor stauen sich vor den Zufahrten auf beiden Seiten Dutzende von Schiffen, um unter Umständen mehrere Tage auf die teure Durchfahrt zu warten.

Garant des neoliberalen Wirtschaftskurses in Panama ist die konservative Regierung von Präsident Martinelli, der selbst einmal im Aufsichtsrat der Kanalgesellschaft saß. Martinelli, Besitzer der größten Supermarktkette des Landes, lässt keine Gelegenheit aus, um Investoren nach Panama zu locken - so zuletzt im Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos, wo er mit Wirtschaftsführern aus Europa und Asien sprach, um neue Märkte für Panama zu erschließen.

Erweiterung soll viele Arbeitsplätze schaffen

Die Erweiterung, so hat die Kanalbehörde (ACP) berechnet, wird nicht nur die Einnahmen erheblich verbessern, sondern auch viele Arbeitsplätze schaffen. Im Jahre 2010 gab es in Panama 44.509 direkte und indirekte Kanal-Arbeitsplätze. Bis 2025 soll die Zahl nach Einschätzung von Experten auf über 250.000 ansteigen. Und auch das Bruttoinlandsprodukt werde von jetzt rund 17 Milliarden Dollar auf über 30 Milliarden Dollar (21 Mrd Euro) wachsen.

Angesichts der blühenden Aussichten Panamas steigt in den Nachbarländern der Neid, aber auch die Hoffnung, die geografische Lage zwischen den beiden Ozeanen zum eigenen Vorteil zu nutzen. Kolumbien spricht bereits mit China über eine 220 Kilometer lange Eisenbahnverbindung von Buenaventura am Pazifik nach Cartagena am Atlantik. Die Chinesen wollen dort sogar eine neue Stadt mit einem Produktionszentrum bauen. Kosten des Projekts: 7,6 Milliarden Dollar.

Honduras und El Salvador wollen ebenfalls die beiden Meere durch einen "trockenen Kanal" - eine Straße - verbinden, um vom interozeanischen Transportboom etwas abzwacken zu können. Und auch in Mexiko soll der Verkehr verstärkt über eine Schnellstraße über die dort engste Stelle, den Isthmus von Tehuantepec, fließen.

Die ehrgeizigsten Träume haben seit vielen Jahren die Nicaraguaner. Dort gibt es den Plan, einen Kanal von der Karibik zum Nicaragua-See zu bauen und diesen mit dem Pazifik zu verbinden. Ein Projekt, das mindestens acht Milliarden Dollar kosten soll. Aber nicht nur die Finanzierung stellt das verarmte Land vor große Probleme.

Costa Rica ist argwöhnisch

Nachbar Costa Rica beobachtet das Projekt mit Argwohn. Als Nicaragua Anfang des Jahres anfing, den Grenzfluss San Juan auszubaggern und dabei eine Flussinsel auf costa-ricanischen Territorium besetzte, kam es zu einem Grenzkonflikt zwischen den beiden Staaten, der immer noch nicht ausgestanden ist. Die nicaraguanische Regierung erklärte dazu, sie wolle Kreuzfahrtschiffen die Fahrt in den Busch ermöglichen. Costa Rica aber argwöhnt, die Arbeiten am Fluss dienten der Vorbereitung für einen Wasserweg zum Nicaragua-See.

Panama sieht der möglichen Konkurrenz gelassen entgegen. Auch auf lange Sicht ist nach Meinung des Chefs der Kanalverwaltung kein echter Wettbewerb zu befürchten. "Wir haben die kürzeste Verbindung, die längste Erfahrung, und mit dem erweiterten und modernisierten Kanal werden die Vorteile Panamas entscheidend zunehmen", sagt Zubieta. "Die Kosten werden sinken. Und wenn die größten Transportschiffe Panama anlaufen, dann wird auch das Hafensystem Panamas zu einem Transportzentrum für ganz Amerika werden." (dpa)

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