Nordostbayern wartet noch immer auf Elektrifizierung der Bahnlinien

16.02.2009 15:26 Uhr
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Bayerns Verkehrs- und Wirtschaftsminister Zeil plädiert für Ausbau des Schienennetzes (Bild: ddp)
© Foto: ddp

Stadtspitzen plädieren für Ausbau

Hof/Saale. Mitten im Herzen Europas klafft auch 20 Jahre nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ eine riesige Lücke im elektrischen Schienennetz. Die noch fehlende Elektrifizierung der 240 Kilometer langen Strecke Nürnberg-Reichenbach wurde zwar vor sechs Jahren im Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf eingestuft. Im Rahmen des „Innovations- und Investitionsprogramms Verkehr“ hat die Bundesregierung aber lediglich 110 Millionen Euro für den 73 Kilometer langen Abschnitt zwischen Reichenbach und Hof eingesetzt. Zur Elektrifizierung der restlichen 167 Kilometer will das Bundesverkehrsministerium aber ebensowenig eine Aussage treffen wie für die 137 Kilometer lange Strecke von Marktredwitz nach Regensburg und den Abschnitt von Marktredwitz ins tschechische Eger. Zwar drängen Politik und Wirtschaft in Franken und der Oberpfalz in Berlin massiv auf einen zügigen Ausbau der Strecken im Nordosten Bayerns. Seitens der Staatsregierung kommt aber nur vage Unterstützung. „Auch im Hinblick auf eine bessere Anbindung sollte meines Erachtens die Elektrifizierung nicht in Hof enden“, schrieb Bayern Verkehrs- und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) vor kurzem an Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). „In einem ersten Schritt hielte ich es für zielführend, jedenfalls bis Marktredwitz und von dort aus auch weiter in Richtung Eger auszubauen. Dieser Abschnitt wäre sowohl für eine spätere Weiterführung nach Nürnberg als auch nach Regensburg erforderlich.“ Insgesamt soll die durchgehende Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale Nürnberg-Dresden und der 16 Kilometer von Marktredwitz bis zur tschechischen Grenze 467 Millionen Euro kosten. Die Realisierung scheitert nicht nur am Geld. Technische Probleme bereitet das Pegnitztal zwischen Neuhaus und Hersbruck mit seinen sieben Tunnels. Die dazwischen liegenden Brücken über die Straße verhindern, dass die Strecke tiefer gelegt werden kann, um an der Decke der Tunnel Platz zu bekommen für die Oberleitung. Für Irritationen in Franken und neue Hoffnung in der Oberpfalz sorgte Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel mit der Bemerkung, die Elektrifizierung der Strecke Hof-Regensburg könne dazu beitragen, die wachsenden Güterverkehrsströme auf die Schiene zu leiten. Josel stellte jedoch klar, dass dies nicht zu Lasten der Franken-Sachsen-Magistrale gehen darf. Im Bundesverkehrswegeplan steht zur Ostbayern-Magistrale bislang lediglich als Fußnote, dass diese Verbindung nach der Fertigstellung der Elektrifizierung zwischen Hof und Nürnberg untersucht werden soll. Hinter der Forderung nach einer zügigen durchgehenden Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale stehen nicht nur die fünf Oberbürgermeister des Fränkisch-Sächsischen Städtenetzes, sondern auch die Region Nürnberg. Auch die Regierung in Prag mahnt den Ausbau der Strecke von Nürnberg über Marktredwitz nach Eger an, wie er bereits 1995 in einem Abkommen mit der Bundesrepublik vereinbart. Zumindest die Tschechen wollen ihren Teil für eine Reduzierung der Fahrzeit zwischen Nürnberg und Prag von fünf Stunden auf drei Stunden und 20 Minuten bis zum Jahr 2016 beitragen. Der Hofer Oberbürgermeister Harald Fichtner (CSU) drängt mit Blick auf den Leipziger Citytunnel, der nur von elektrischen Zügen befahren werden darf, zur Eile. „Der Hofer Hauptbahnhof darf nicht wieder zum Grenzbahnhof werden“, sagt er zu den notwendigen Lokwechseln, die Zeit und Geld kosten. Für die Festspielstadt Bayreuth könnte die Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale sogar die Abkopplung von einer schnellen Verbindung nach Sachsen bedeuten. Deshalb wird am Fuße des „Grünen Hügels“ derzeit heftig über einen neuen Bahnhof am Stadtrand diskutiert. (dpa)

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