Utrecht/Niederlande. Im niederländischen LKW-Transportgewerbe stehen die Zeichen auf Sturm. Nachdem die Tarifgespräche Mitte April nach Gewerkschaftsdarstellung „festliefen“, setzt die Arbeitnehmervertretung jetzt schrittweise ihre Streikpläne um. In einem ersten Schritt wurde jetzt die Firmenzentrale des LKW-Fachverbands TLN (Transport en Logistiek Nederland) in Zoetermeer großflächig mit Plakaten beklebt. Das Motto auf den Plakaten lautet: „Ohne Tarifvertrag bewegt sich kein Rad.“ Es knüpft an den beim TLN schon vor geraumer Zeit geprägten Slogan „Ohne Transport steht die Wirtschaft still“ an. Kommentar von Jan Heilig, Aktions-Koordinator bei der Fachgewerkschaft FNV Bondgenoten in Utrecht: „Jetzt hat die TLN-Verbandsführung es schwarz auf weiß, worauf es für die LKW-Fahrer ankommt.“ In einer weiteren Aktion fuhren fünf auffällig beklebte LKW an ausgesuchten Standorten mit einer hohen Öffentlichkeitswirkung im Kreis. Die Gewerkschaftsseite fordert von den Arbeitgebern mindestens drei Prozent Lohnerhöhung sowie klare Vereinbarungen hinsichtlich der Vergütung von Fahrern aus den mittel- und osteuropäischen Ländern. Das Motto hier heißt: „Gleiche Arbeit, gleicher Lohn.“ Die Arbeitgeberseite hat 2,5 Prozent Lohnerhöhung angeboten. Der Verband TLN ist über die härtere Gangart der Gewerkschaften „sehr enttäuscht“ und kritisiert auch die Sonderfahraktionen der fünf Streik-LKW. Solche Maßnahmen schadeten dem Ansehen des Transportgewerbes, meint der TLN. Zudem wirft der Verband den Gewerkschaften Halsstarrigkeit und Machtmissbrauch vor. So seien gerade einmal elf Prozent der Fahrer Mitglied der FNV Bondgenoten. „Aber für 50 Prozent der Betriebe, die TLN-Mitglied sind, sorgen die Gewerkschaftsaktionen konkret für Probleme.“ Der Verband fordert den FNV Bondgenoten dazu auf, schnellstmöglich wieder an den Verhandlungstisch zu kommen. Die Aktionen fallen in eine Zeit, da die niederländischen Transportunternehmen erheblich unter Druck stehen. Aufgrund der guten Beschäftigungslage in der Branche macht sich der Mangel an qualifizierten Fahrern immer schmerzhafter bemerkbar. Schätzungen zufolge fehlen rund 5500 Fahrer. (eha)
Niederländischem Transportgewerbe droht Arbeitskampf
Fahrermangel bietet neue Angriffsflächen: Gewerkschaften fordern höhere Löhne - Arbeitgeber rufen zum Maßhalten auf