Erlangen. Knapp zwei Jahre nach einem tödlichen Lastwagenunfall hat der Staatsanwalt vor dem Amtsgericht Erlangen Haftstrafen für zwei Spediteure gefordert. Der 59-jährige Seniorchef des Familienunternehmens soll wegen fahrlässiger Tötung und Anstiftung zur Gefährdung des Straßenverkehrs für zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Für den als Geschäftsführer fungierenden 37-jährigen Sohn verlangte der Staatsanwalt zwei Jahre auf Bewährung. Die Transportunternehmer mit Firmensitzen in Nürnberg und Schwarzenberg bei Chemnitz sollen ihre Fahrer regelmäßig zu Lenkzeitüberschreitungen genötigt haben. „Die Touren waren so geplant, dass die Fahrer die vorgeschriebenen Ruhepausen von vorneherein nicht einhalten konnten“, sagte der Staatsanwalt. Mitarbeitern, die gegen die Anordnungen ihres Seniorchefs aufbegehrt hätten, sei mit Kündigung gedroht worden. Im August 2003 hatte ein Fahrer nach 30-stündiger Non-Stopp- Fahrt auf der Autobahn A 3 Würzburg-Nürnberg einen Unfall mit zwei Toten verursacht. Der völlig übermüdete 34-Jährige war in Höhe Erlangen ungebremst auf einen Kleinbus aufgefahren, der nach einer Panne vorschriftsmäßig abgesichert auf dem Seitenstreifen stand. Die beiden Mitarbeiter eines Ingenieurbüros wurden von dem Lastwagen erfasst und 20 Meter durch die Luft geschleudert. Beide starben noch an der Unglücksstelle. Der Todesfahrer wurde bereits im vergangenen Jahr zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten auf Bewährung verurteilt. Nach Angaben eines Zeugen wurden die Fahrer auch nach dem tödlichen Unfall weiterhin zu Lenkzeitüberschreitungen gezwungen. Beweiskräftige Tachoscheiben hätten die Fahrer vernichten und als Gegenbeweis einen Urlaubsantrag ausfüllen müssen. (dpa)
Nach tödlichem LKW-Unfall: Staatsanwalt fordert harte Strafen
Nötigung zur Lenkzeitüberschreitung: Staatsanwalt fordert zwei Jahre und zehn Monte Haft für den Spediteur