Schwerin. Nach den Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde erhalten auch die Hegemann-Werften in Stralsund und Wolgast eine millionenschwere Finanzspritze vom Land. Trotz angespannter Haushaltslage gewährt die Schweriner Landesregierung den Unternehmen des Bremer Industriellen Detlef Hegemann ein Darlehen über 28 Millionen Euro. Nach Angaben der Koalitionsfraktionen von SPD und CDU stimmte der Finanzausschuss des Landtags heute Plänen von Finanzministerin Heike Polzin (SPD) zu, 12 Millionen Euro aus dem aktuellen Haushalt und 16 Millionen durch einen Bankenkredit des Landesförderinstituts bereitzustellen. Damit werde das Ziel eines ausgeglichen Doppelhaushaltes 2010/11 nicht gefährdet, hob Polzin hervor. Das 28-Millionen-Darlehen ist Teil des Finanzierungskonzeptes, das zwischen Bund, den Ländern Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen sowie Banken vereinbart worden war. Das Geld ist unter anderem für die Zwischenfinanzierung des Baus zweier Mehrzweckschiffe auf der Peene-Werft in Wolgast gedacht. In Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise hatten sich Banken zunehmend aus der Schiffbaufinanzierung zurückgezogen. „Ich bin froh, dass es uns heute mit vereinten Kräften gelungen ist, eine drohende Insolvenz der Werften abzuwenden“, betonte der finanzpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Rudolf Borchert. „Die Werften sind für unser Bundesland als Schlüsselindustrie von herausragender Bedeutung für den Wirtschafts- und Arbeitsmarkt“, begründete sein CDU-Kollege Mathias Löttge das Engagement des Landes. Mit dem Darlehen würden bestehende Aufträge gesichert. Auch die oppositionelle Linksfraktion stimmte dem Darlehen zu. „Damit kann die Arbeit auf den Werften fortgeführt werden und Tausende von Arbeitsplätzen werden erhalten“, erklärte Fraktionschef Helmut Holter. Er forderte aber gleichzeitig ein tragfähiges Zukunftskonzept für das Unternehmen. Kritik am Vorgehen der Koalition kam von der FDP. „Die Landesregierung weiß nicht, wie es um das Unternehmen wirklich bestellt ist und hat ihr Unwissen an uns weitergegeben. Auf einer solchen Grundlage kann man keine so weitreichenden Entscheidungen treffen“, begründete FDP-Fraktionschef Michael Roolf seine Stimmenthaltung. Wie das Finanzministerium mitteilte, wird der Landes-Kredit zu 10 Prozent von Niedersachsen verbürgt. Dort betreibt Hegemann in Berne eine dritte Werft. Die Banken beteiligten sich mit einem durch die staatliche KfW-Förderbank abzusichernden Kredit von ebenfalls 28 Millionen. Darüber hinaus werde die Hegemann-Werftengruppe selbst einen Beitrag leisten, um die Liquidität der Werften bis Mitte Dezember 2009 sicherzustellen. Den Plänen zufolge wird danach eine Bund-Landes-Bürgschaft über 280 Millionen Euro Bankkredite zur Bauzeitfinanzierung auf den Werften absichern. Voraussetzung dafür ist dem Vernehmen nach aber ein tragfähiges Sanierungskonzept für die Werften, die allein in Mecklenburg-Vorpommern rund 2000 Menschen beschäftigen. Dem Betriebsrat der Stralsunder Volkswerft zufolge schließt der Vorstand einen Stellenabbau nicht aus. Die Volkswerft verfügt nach Angaben des Wirtschaftsministeriums über sechs Schiffbauverträge, die Werft in Wolgast über neun. Die Hegemann-Gruppe hatte die Peene-Werft 1992 erworben und 2007 auch die bis dahin in dänischem Besitz befindliche Volkswerft. Anfang 2009 hatte die Schweriner Landesregierung den Wadan-Werften Kredite über 60 Millionen Euro gewährt. Mit dem Geld war in Wismar und Warnemünde die Produktion zunächst aufrechterhalten, nicht aber die Insolvenz verhindert worden. Ein neuer russischer Eigner hatte die Werften im Sommer übernommen und lässt nun mit reduzierter Belegschaft alte Aufträge abarbeiten. Das Land erhielt die Darlehen laut Finanzministerium vollständig zurück. Die letzte Rückzahlungsrate über 12 Millionen Euro werde nun für Hegemann eingesetzt. (dpa)
Millionen-Kredit für Hegemann-Werften
Nach den Wadan-Werften erhalten auch die Hegemann-Werften eine millionenschwere Finanzspritze