Merkel: Transportsektor muss Beitrag zum Klimaschutz leisten

29.05.2008 14:28 Uhr
Bundeskanzlerin Angela Merkel (Bild: Bollig)

Bundeskanzlerin will staatliche Anreize zur CO2-Begrenzung schaffen: Kampf gegen Klimawandel als zentrales Thema des Weltverkehrsforums

Leipzig. Der Transportsektor muss dringend Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel ergreifen. Dies forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel heute auf dem Weltverkehrsforum in Leipzig. „Wir müssen die Entkoppelung von Transportleistung und Energieverbrauch schaffen“, sagte die CDU-Politikerin. Deutschland dürfe sich in einer globalisierten Welt nicht abschotten, doch offene Märkte führten zwangsläufig zu einem wachsenden Verkehrsaufkommen. „Der Klimawandel gehört zu den zentralen Herausforderungen der Menscheit“, betonte Merkel. Dabei kündigte sie für den Transportsektor staatliche Eingriffe an: „Wir können auf Dauer nicht darauf verzichten, die Anreize richtig zu setzen.“ Als Vorbild nannte Merkel die deutschen Straßengebühren: „Wir haben bei der Einführung der LKW-Maut gesehen, welche Effizienzverbesserungen man erreichen kann.“ Zuvor hatte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) die rund 600 Gäste – darunter mehr als 50 Amtskollegen – auf dem Ersten Weltverkehrsforum in Leipzig willkommen geheißen. „Uns Verkehrsministern haftet der Ruf an, nur in Beton und Infrastruktur zu denken, doch wir müssen auch unserer globalen Verantwortung gerecht werden“, sagte Tiefensee. Beim Kampf gegen den Klimawandel sei es bereits „5 nach 12“. Tiefensee forderte Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auf, Wege zu finden die Abhängigkeit vom Erdöl zu beseitigen. An das Transportgewerbe richtete er den Appell, die Verkehrsträger besser zu verzahnen, damit sie ihre jeweilige Stärke besser auspielen könnten. „Der Klimawandel ist da. Es gibt keinen Raum mehr für wissenschaftliche Diskussionen“, betonte Rajendra Pachauri, Vorsitzender des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Der Verkehrssektor sei für 23 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich – davon komme 74 Prozent vom Straßenverkehr. Vor diesem Hintergrund forderte Pachauri einschneidende Maßnahmen um den CO2-Austoß im Verkehrssektor zu reduzieren. „Es braucht viel Mut, um als Politiker solche Maßnahmen umzusetzen“, sagte der IPCC-Vorsitzende. „Doch wir haben nur ein kleines Zeitfenster um den Klimawandel zu stabilisieren.“ Yvo de Boer, Exekutivsekretär der Klimarahmen-Konvention der Vereinten Nationen, forderte Ehrlichkeit in der Diskussion: Bei allen Chancen für die Wirtschaft durch neue Technologien, müsse man sagen, „dass es bei diesem Prozess auch Verlierer geben wird“. De Boer kritisierte: „Der Fortschritt des Verkehrssektors im Kampf gegen den Klimawandel ist unzureichend.“ Die Branche dürfe nicht warten, bis neue Technologien entwickelt seien. „Wir müssen jetzt handeln“, appellierte de Boer. (sb)


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