Markt für Zeitarbeit auch 2003 auf Talfahrt

17.05.2004 09:51 Uhr

Zeitarbeit dient Unternehmen als flexibles Instrument für den Einsatz von nicht dauerhaft oder kurzfristig benötigten Arbeitskräften. In den vergangenen zwei Jahren war dafür immer weniger Bedarf.

Bad Wörishofen. Zwar hat die Arbeitsmarktpolitik der deutschen Bundesregierung seit Anfang 2003 einerseits durch die Schaffung der Personal-Service-Agenturen (PSA) eine staatlich subventionierte Konkurrenz für die privaten Zeitarbeitsunternehmen etabliert, andererseits die gesetzlichen Restriktionen für die gewerbliche Personalüberlassungen partiell gelockert. Insgesamt haben diese Maßnahmen jedoch keine Belebung des unter der Konjunkturflaute leidenden Zeitarbeitsgeschäftes bewirkt. Nach 2002 war der Zeitarbeitsmarkt auch 2003 rückläufig. Branchenkenner schätzen das Marktvolumen für Zeitarbeitsleistungen in Deutschland im Jahr 2003 auf rund 5,5 Milliarden Euro. Das sind etwa fünf Prozent weniger als 2002 (5,8 Milliarden Euro), so das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lündendonk in der jetzt veröffentlichten Lünendonk-Liste "Führende Zeitarbeits- und Personaldienstleistungs- Unternehmen in Deutschland". Der deutsche Zeitarbeitsmarkt ist sehr stark fragmentiert. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg, waren Mitte des Jahres 2003 insgesamt 4332 Zeitarbeitsunternehmen registriert, das sind sogar knapp vier Prozent mehr als Mitte 2002. Der Zuwachs dürfte vor allem auf die Gründung von rund 100 Personal-Service-Agenturen in diesem Zeitraum zurückzuführen sein. Lünendonk, Bad Wörishofen, hat jetzt zum vierten Mal eine Umfrage bei den großen und zusätzlich bei mittelgroßen und einigen kleinen Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland durchgeführt. Die Top 15 der Zeitarbeits- und Personaldienstleistungs-Branche in Deutschland vereinigen auf sich im Jahr 2003 einen Inlandsumsatz von über 2,6 Milliraden Euro, das sind über 47 Prozent des Gesamtmarktes. Den Rest des Marktvolumens teilen sich demnach die über 4300 mittelgroßen und kleineren, häufig regional und sektoral tätigen Zeitarbeitsunternehmen. Obwohl die 15 größten Unternehmen jeweils fast 50 Millionen Euro Umsatz erzielen, ereichte 2003 nur eines von ihnen einen Marktanteil von annähernd zehn Prozent. Randstad, das größte Unternehmen der Zeitarbeitsbranche in Deutschland, repräsentiert mit 538 Millionen Euro Umsatz einen Marktanteil von 9,8 Prozent. Das zweitgrößte Unternehmen, Adecco, erreicht mit einem geschätzten Deutschlandumsatz von 360 Millionen Euro 6,5 Prozent und das drittgrößte, Manpower, mit einem Inlandsumsatz von 286 Millionen Euro rund 5,2 Prozent. Mit einem Inlandsumsatz von 276 Millionen Euro und einem Marktanteil von fünf Prozent liegt Persona Services auf dem vierten Platz. Bereits beim fünftgrößten Unternehmen, DIS, liegt der Marktanteil nur noch bei vier Prozent (218 Millionen Euro). Damit weist der deutsche Zeitarbeitsmarkt im Vergleich zum Ausland eine geringe Konzentration an der Spitze auf. Trotz stark unterschiedlicher Markt- und Unternehmensentwicklungen hat sich der kumulierte Marktanteil dieser Top 5-Zeitarbeitsunternehmen in den vergangenen Jahren praktisch nicht verändert. Die Unternehmen Randstad, Adecco, Manpower, Persona und DIS decken seit 2000 zusammen weniger als ein Drittel des Zeitarbeitsmarktes ab. Die Umsatzveränderungsraten der Top 15-Zeitarbeitsunternehmen weisen 2003 eine Spanne von minus 17 bis plus 22 Prozent auf. Im Durchschnitt sind die Umsätze der 15 größten Unternehmen dieser Branche in Deutschland um rund 2,3 Prozent gestiegen, während das Volumen des Gesamtmarktes um rund fünf Prozent geschrumpft ist. Die Palette der Personaldienstleistungen hat sich in den letzten Jahren ständig verbreitert. Die Befragung durch Lünendonk ergibt, dass die Arbeitnehmerüberlassung mit durchschnittlich 78 Prozent Anteil den Umsatz der Top 15-Zeitarbeitsunternehmen zwar klar dominiert, das Projektgeschäft mit Personal-Sourcing und -Contracting aber bereits knapp elf Prozent erreicht. Das noch junge Geschäft mit Personal-Service-Agenturen trug 2003 im Durchschnitt erst 1,6 Prozent zum Umsatz der 15 Unternehmen bei. Die übrigen Umsatzanteile entfallen auf Outsourcing, Personalvermittlung, Personalberatung, Outplacement und Werkverträge. Ranking: Die Top 15 der Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland. Rang – Unternehmen Umsatz – 2003 1 – Randstad Deutschland – 538,0 2 – Adecco Personaldienstleistungen – 360,0 3 – Manpower – 286,0 4 – Persona Service – 276,0 5 – DIS Deutscher Industrie Service – 218,4 6 – Tuja Zeitarbeit – 152,6 7 – AutoVision – 125,0 8 – Bindan-Gruppe – 120,8 9 – ZAG Zeitarbeits-Gesellschaft – 116,0 10 – Hays Ascena – 111,0 11 – I.K. Hofmann – 89,3 12 – Creyf´s Personalservice – 56,4 13 – Dekra Arbeit – 55,0 14 – Allbecon – 54,0 15 – Brunel – 45,3 Quelle: Lünendonk–Liste "Führende Zeitarbeits- und Personaldienstleistungs-Unternehmen in Deutschland" Umsatz in Millionen Euro, Angaben teilweise geschätzt.

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