Machbarkeitsstudie prüft flexible Lkw-Maut am Brenner

27.05.2026 14:56 Uhr | Lesezeit: 3 min
Die Brennerautobahn 12 schlängelt sich als Luegbrücke durch das saftige Tal
Höhere Gebühren für Lkw zu Stoßzeiten sollen den Verkehr auf der Brennerautobahn entzerren und die vielbefahrene Transitroute entlasten
© Foto: LianeM/adobe.stock.com

Bayern, Südtirol und das Trentino wollen mit einer gemeinsamen Studie eine variable Lkw-Maut auf der Brennerautobahn prüfen.

Die Idee hinter dem Vorhaben ist, dass höhere Gebühren für Lkw zu Stoßzeiten den Verkehr entzerren und die vielbefahrene Transitroute entlasten, wie das bayerische Verkehrsministerium mitteilte. Die Machbarkeitsstudie soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. „Maßnahmen wie Blockabfertigung und Nachtfahrverbote sind nicht die Lösung. Wir müssen weiter miteinander im Gespräch bleiben, wie wir einen guten Brennertransit ermöglichen können“, sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Eine „variable Maut könnte hierbei eine wichtige Rolle spielen“, so Bernreiter.

Günstigere Maut zu Zeiten mit wenig Verkehr

Das Grundprinzip sieht folgendermaßen aus: In Zeiten, in denen viel Verkehr herrscht, soll die Maut höher ausfallen, in Zeiten mit weniger Verkehr günstiger. Wenn dadurch Fahrten außerhalb der Stoßzeiten gelegt würden, entlaste das die Brennerautobahn. Erste Simulationen hätten ergeben, dass eine erheblich höhere Maut zu Spitzenzeiten von Fahrten abhält. Die Studie soll unter anderem untersuchen, wie ein solches Mautsystem konkret aussehen könnte. Es gehe auch darum, welche Zeit- und Preiskriterien sinnvoll und rechtlich zulässig sind und wie Transportfirmen voraussichtlich auf unterschiedliche Mauthöhen reagieren, teilte das Ministerium mit. Ebenso sollen Folgen auf Verkehrsflüsse, Umwelt und Wirtschaft beleuchtet werden.

Österreich ist allerdings nicht beteiligt

Mit Bayern, Südtirol und dem Trentino sind allerdings lediglich Deutschland und Italien an der Machbarkeitsstudie beteiligt. „Aufgrund des laufenden Verfahrens wegen der Tiroler Lkw-Transitbeschränkungen vor dem Europäischen Gerichtshof“ beteiligten sich keine österreichischen Behörden, teilte das bayerische Verkehrsministerium mit. Ein Großteil des vielbefahrenen Korridors führt aber durch Österreich.

Brenner-Transit wird komplett lahmgelegt

Wegen der Anwohner-Demonstration auf der Brenner-Autobahn ist der Transitverkehr am Samstag über viele Stunden hinweg lahmgelegt. In dieser Zeit ist die wichtigste Verbindung zwischen Österreich und Italien für den Verkehr komplett gesperrt. Kern der Demonstration ist der Protest gegen die seit Jahren wachsende Verkehrsflut. Ein Gericht hat nun erstmals eine Demonstration direkt auf der Autobahn genehmigt. Dadurch wird mit starken Verkehrsbehinderungen gerechnet.

Wirtschaft warnt vor historischem Verkehrschaos

Aus Sicht der bayerischen Wirtschaft stellt die Demonstration den Verkehr im Alpenraum auf eine nie dagewesene Belastungsprobe: „Wir müssen uns auf den Kollaps des gesamten Alpentransits einstellen“, sagte Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags. Es sei damit zu rechnen, dass die Behörden neben der Vollsperrung viele weitere Ausweichstraßen über die Alpen sowie Grenzübergänge in Österreich und der Schweiz stärker kontrollieren oder den Verkehrsfluss dosieren würden. Gößl warnte daher vor einem historischen Verkehrschaos.

Zusagen zum Bau des Brenner-Nordzulaufs gefordert

Gößl betonte in diesem Zusammenhang auch die Wichtigkeit des geplanten Brenner-Nordzulaufs: „Der 30. Mai zeigt uns schonungslos, dass sowohl bei der Autobahn als auch bei der Bahn dringender denn je grenzüberschreitend investiert werden muss.“ Er sieht die Landes- und Kommunalpolitik in der Pflicht, noch im Sommer dieses Jahres endgültig und unmissverständlich Zusagen zum Bau des Brenner-Nordzulaufs zu geben. Das Vorhaben müsse endlich auf den Weg gebracht werden.

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