LNG: Erdgas als Schiffstreibstoff

19.03.2010 13:11 Uhr
Containerschiff
Bereits 2015 sollen die ersten Frachter mit LNG zum Einsatz kommen
© Foto: Schulte-Brader

Alternative Schiffsantriebe: LNG soll es laut Experten auf dem Symposium des Germanischen Lloyd in wenigen Jahren auch in der Frachtschifffahrt geben

Hamburg. Schon in etwa fünf Jahren könnte in der Frachtschifffahrt LNG (Liquefied Natural Gas) als alternativer Schiffstreibstoff zum Einsatz kommen. Davon geht Pierre Sames, Leiter Strategische Forschung bei der Schiffsklassifizierungsgesellschaft Germanischer Lloyd (GL) in Hamburg, aus. Das Unternehmen, dessen Experten sich intensiv mit dem Sachverhalt beschäftigen, hatte erstmals eine Informationsveranstaltung unter dem Motto "Erdgas als Schiffstreibstoff – Status und Trends" in seiner neuen Unternehmenszentrale in der Hamburger Hafen City ausgerichtet. Experten aus dem In- und Ausland gaben vor über 130 Besuchern einen umfassenden Überblick über das heute schon Erreichte und das künftig Mögliche. Håkan Werner, Vice-President der auf den Gas-Transport spezialisierten norwegischen Reederei I.M.Skaugen SE, sieht im LNG langfristig die entscheidende Alternative zum heute üblichen Schweröl beziehungsweise zum Schiffsdieseltreibstoff. So überzeuge LNG mit optimalen Emissionswerten. Gerade die Einbeziehung des an sich "umweltfreundlichen" Seeschiffs in die allgemeine Klimaschutzdebatte werde dazu führen, dass auch die Schifffahrt mit einer Art von Klimaschutzabgabe belastet werde. Für einen "sauberen" Treibstoff wie das LNG würde diese dann entsprechend gering ausfallen. Nachdem die LNG-Technik bereits zur Verfügung steht, sieht Werner eine große Herausforderung im Aufbau einer weltweiten LNG-Versorgungsinfrastruktur. Die Entwicklung eines solchen Netzes werde in die Milliarden Euro gehen. Göteborg Energi investiert 50 Millionen Euro in LNG-Terminal Für den schwedischen Hafen Göteborg beginnt das LNG-Zeitalter für die Schifffahrt voraussichtlich ab 2013. Bis dahin will der örtliche Energieanbieter Göteborg Energi einen eigenen LNG-Terminal errichten. Die Investitionen belaufen sich auf rund 50 Millionen Euro, berichtete Linda Sahlén, Projektmitarbeiterin bei Göteborg Energi. Auch die Schiffbau-und Schiffszuliefererindustrie befasst sich bereits intensiv mit dem Thema LNG als Antrieb, zeigten die Vorträge der Experten. So entstehen derzeit an den Reißbrettern Entwürfe für Container-Feederschiffe mit bis zu 1200 TEU, für Ropax-Fähren und sogar für Passagierfähren. Immerhin: In Norwegen fahren bereits seit mehreren Jahren Fjord-Fähren erfolgreich nur mit LNG-Antrieb. Norwegen, das zudem über reiche Erdgasvorkommen verfügt, stimuliert den Einsatz von LNG als sauberen Schiffstreibstoff mit großem Nachdruck. Indes scheint sich beim Thema Schiffsantrieb für eine Zeit lang ein Kombinationsantrieb aus herkömmlichem Diesel und LNG durchzusetzen. Auch das zeigte das Symposium: Es gibt noch eine Reihe von wichtigen technischen Details zu lösen. Zudem sind die Arbeiten an einem international gültigen und verbindlichen Vorschriftenwerk noch nicht abgeschlossen, zeigten die Vorträge der dafür eingeladenen Fachleute. (eha)

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