Berlin/Nairobi. Der Fall des vor gut zwei Wochen von Piraten im Indischen Ozean gekaperten deutschen Frachters „Hansa Stavanger“ hat eine dramatische Wende genommen. Fast die gesamte Schiffs-Besatzung wurde nach Informationen der Nicht-Regierungsorganisation „Ecoterra“ auf das somalische Festland verschleppt. Unklar ist, ob auch die fünf deutschen Besatzungsmitglieder als Geiseln darunter sind. Die Bundesregierung lehnte es ab, sich zu dem Bericht über die Verschleppung zu äußern. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, der Krisenstab versuche „alles“, damit die Geiseln freigelassen würden. Offenbar aus Furcht vor einer Befreiungsaktion hätten die Piraten 20 der 24 Seeleute an Land gebracht, berichtete die Organisation. Demnach befinden sich weiterhin „vier wichtige Besatzungs-Mitglieder“ an Bord des Frachters in einer Bucht unmittelbar vor dem Festland Somalias und werden von den Seeräubern bewacht. Die „Hansa Stavanger“ liegt derzeit in der Nähe von Haradhere vor Anker. Die Hafenstadt in der halbautonomen Region Puntland ist als Piratenhochburg bekannt. Derzeit haben die Piraten vor der somalischen Küste mindestens 18 Schiffe mit mehr als 300 Seeleuten in ihrer Gewalt. Die Bundesregierung wies Forderungen nach schärferen Regeln als überflüssig zurück. Das Marine-Mandat zur Bekämpfung der Piraterie am Horn von Afrika sei völlig ausreichend, erklärten Sprecher des zuständigen Auswärtigen Amtes und des Verteidigungsministeriums. Nach dem Bundestagsmandat darf die deutsche Marine ausdrücklich auch Gewalt gegen Piraten und ihre Schiffe anwenden. Nach früheren Äußerungen von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) handelt es sich um das „robusteste“ Mandat, das die Bundeswehr je hatte. Oberste Priorität des Marine-Einsatzes ist nach Angaben des Sprechers des Verteidigungsministeriums, Schiffe des Welternährungsprogramms zu schützen, damit diese Nahrungsmittel an die hungernde Bevölkerung etwa in Somalia liefern können. Vizeregierungssprecher Thomas Steg dementierte Angaben des CSU- Abgeordneten Hans-Peter Uhl, wonach die Regierung eine härtere Gangart abgesegnet habe. „Mir sind solche Absprachen nicht bekannt“, sagte Steg. Auch ein Sprecher des Verteidigungsministeriums verwies darauf, dass das Mandat des Bundestags für die Beteiligung der deutschen Marine an der EU-Operation „Atalanta“ alle für den Einsatz nötigen Maßnahmen enthalte. Dazu kann auch das Ausschalten eines Mutterschiffes von Piraten gehören. (dpa)
Lage auf gekaperten deutschen Frachter eskaliert
Somalische Piraten verschleppen die Besatzung der „Hansa Stavanger“ an Land