Klimaschutz als Rettungsanker?

30.03.2009 13:46 Uhr
Wadan Yards
Umweltverbände und Gewerkschaften fordern umweltverträgliche Technologien im Schiffsbau
© Foto: Wadan Yards

Die Schiffbau soll „grüner“ werden

Rostock/Hamburg/Berlin. Seit Monaten ist die Schifffahrt weltweit in schwerer See. Riesige Überkapazitäten und schrumpfende Güterumschläge infolge der Weltwirtschaftskrise machen der Branche zu schaffen. Jetzt sollen – ähnlich wie in der noch stärker gebeutelten Automobilindustrie – ausgerechnet „grüne“ Techniken zum Rettungsanker eines Wirtschaftszweigs werden, der bislang eher mit spritfressenden und rußenden Schweröl-Motoren in Verbindung gebracht wurde. Inmitten der konjunkturellen Flaute könnten die Schiffbauer mit effizienten und klimaschonenden Technologien an Fahrt gewinnen – wenn es nach den Vorstellungen von Gewerkschaften und großen Umweltverbänden geht. „Bei den Antrieben kann noch viel getan werden“, sagt die Chefin des IG-Metall-Bezirks Küste, Jutta Blankau. Bei der 6. Nationalen Maritimen Konferenz will sie in Rostock für größere Anstrengungen von Werften und Zulieferern in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit werben. Nur energieeffiziente Schiffstypen könnten im internationalen Wettbewerb bestehen, Alternativen zum herkömmlichen Container-Schiffbau seien mehr als überfällig. „Das ist eine große Chance, die die Branche auf keinen Fall verschlafen darf.“ Daneben sei jedoch auch die Politik am Zug, um die Hersteller zwischen Ems und Oder wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Der richtige Mix aus freiwilligen und gesetzlichen Mitteln müsse noch gefunden werden, betont Blankau. „Wir brauchen Anreize, damit sich Werften, Reeder und Zulieferer Gedanken machen.“ Spätestens sobald sich verbindliche Obergrenzen zum Treibhausgas-Ausstoß von Frachtern und Tankern durchgesetzt hätten, kämen Reedereien nicht an der grünen Technik vorbei. Schon heute müssten die Werften auftragsunabhängige Zuschüsse für solche Investitionen vom Staat bekommen. „Die Forderungen nach weniger Umweltbelastungen sind ja nun nicht gerade neu“, entgegnet Matthias Trott von den Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde. Unter dem Motto „green, efficient, smart“ habe sein Unternehmen bereits seit längerem Neubauten produziert. Dass geringer Verbrauch, gute C02-Bilanzen, Zusatztanks für schwefelarmen Sprit oder „energieoptimierte Schiffskörper“ heutzutage Verkaufsargumente sind, steht für ihn außer Frage. Dies gelte für das Wadan-Segment der Spezialschiffe ebenso wie für große Container-Pötte. Bei Umweltschützern stoßen Projekte wie das Programm „Schiffbau und Meerestechnik für das 21. Jahrhundert“ von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) dagegen nicht nur auf Gegenliebe. Denn die Pläne des Berliner Ressortchefs zum Ausbau der Hafen-Infrastrukturen passen aus ihrer Sicht weniger ins Bild einer ökologisch tragfähigen Schifffahrtspolitik. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Umweltstiftung WWF monieren vor allem die „parallele und unkoordinierte“ Erweiterung der Häfen: „Die umweltschädlichen Ausbaumaßnahmen an allen Hafenstandorten zugleich sind äußerst kurzsichtig“, bemängelt BUND-Verkehrsexperte Werner Reh. Wie groß das Verbesserungspotenzial auf den Schiffen selbst ist, geben derweil auch Logistik-Experten freimütig zu: Die Reduzierung der CO2-Emissionen aus der Seeschifffahrt werde eines der Hauptthemen der Rostocker Konferenz sein, betont die Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Reeder (VDR), Uta Ordemann. Bisher sei die Branche vom Klimaschutz-Abkommen von Kyoto zur Verringerung der Treibhausgase ausgenommen. Zu bedenken sei aber, dass die Seeschifffahrt gemessen an der Transportleistung der energieeffizienteste Verkehrsträger sei. Nach Schätzungen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) in London trägt sie 2,7 Prozent zur globalen CO2-Emission bei, obwohl 90 Prozent des interkontinentalen Güterverkehrs über die Weltmeere abgewickelt werden. Um die Treibhausgas-Belastung dennoch zu drücken, schlug Dänemark die Schaffung eines „Klimakompensations-Fonds“ vor. Setzen sich die Unterhändler aus der Seefahrer-Nation zwischen Nord- und Ostsee in der IMO durch, dürfte eine Abgabe auf Schiffsbrennstoffe nicht mehr lange auf sich warten lassen – und ganz nebenbei den Klimaschutz in Entwicklungsländern mitfinanzieren. (dpa)

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