Fuhrunternehmer oder Fernfahrer, wer hat das bessere Los gezogen? In den meisten europäischen Ländern ist das keine Frage. Die wirtschaftliche Lage der Arbeitgeber ist viel günstiger als die ihrer Beschäftigten. Nur in Italien ergibt sich eine anderes Bild. Nach den Untersuchungen des Instituts für Marktanalyse FAI, Brescia, muss sich der Unabhängige häufig mit einem geringeren Einkommen zufrieden geben als seine Arbeiter. Des Rätsels Lösung liegt in der beschränkten Betriebsgröße der Unternehmen, die oft nur über ein oder zwei Fahrzeuge verfügen. Während der Fernfahrer mit einem sicheren Lohn nach hause geht (meist 14 Monatsgehälter) kämpft sein Arbeitgeber um die Finanzierung seines kleinen Fuhrparks und klagt über die schlechte Zahlungsmoral seiner Kunden. Der Fiskus bittet beide zur Kasse, doch entsprechend dem italienischen Gesetz zahlt der "Padroncino", der Kleinstunternehmer, rund 80 Prozent der staatlichen Abgaben aus eigener Tasche. Nur bei vollen Auftragsbüchern könnte die Branche zumindest kostendeckend arbeiten, die besser organisierte internationale Konkurrenz macht dieses Ziel aber unerreichbar. Viel zu langsam geht die dringend nötige Umgestaltung des Warentransports mit Vergrößerung der firmen oder ihrem Zusammenschluss in Kooperativen vonstatten. Den Beweis dafür liefert die Fachsprache, in der Fuhrunternehmer immer noch "artigiani" oder Handwerker genannt werden. (sir)
Italien: Lieber Fernfahrer als Unternehmer
Transportunternehmer haben oft ein geringeres Einkommen als ihre Angestellten