Stockholm. Investor-Chef Börje Ekholm sagte in Stockholm bei der Erläuterung der eigenen Zwischenbilanz nach dem dritten Quartal: „Das neue MAN-Angebot von 475 Kronen je Aktie für Scania reflektiert weiter nicht den wirklich Wert des Unternehmens. Wir werden es deshalb folgerichtig ablehnen.“ Investor ist nach Volkswagen zweitgrößter Anteilseigner bei Scania. In einem Interview mit der Zeitung „Dagens Industri“ (Internetausgabe) schloss Ekholm auch ein Gegenangebot Scanias zur Übernahme von MAN nicht aus. Er sagte auf die ausdrückliche Frage danach: „In einer Situation wie der jetzigen müssen wir alle Möglichkeiten in Erwägung ziehen.“ Er stufte das Vorgehen von MAN beim bisherigen Übernahmepoker als „wesentlich aggressiver ein, als das durch die Medien bekannt geworden ist“. Zur vorzeitigen Veröffentlichung der Scania-Bilanz mit deutlich erhöhten Gewinnen gegenüber früheren Prognosen meinte der Investor-Chef: „Scania ist eindeutig der Klassenbeste bei den Nutzfahrzeugherstellern.“ Die Gewinnmarge sei doppelt so hoch wie bei allen anderen europäischen Anbietern. Nach Ansicht von Investor hat MAN das Synergiepotenzial bei einem Zusammengehen mit Scania mit der Schätzung von 500 Millionen Euro pro Jahr „etwa um die Hälfte unterschätzt“. Auch sehe das deutsche Unternehmen nicht das tatsächliche Marktpotenzial für Nutzfahrzeuge vor allem in Osteuropa. Investor stehe in „ständigem Dialog mit VW“ als größtem Eigner sowohl bei Scania wie bei MAN. Unterdessen geht MAN im Übernahmepoker in die Offensive und setzt den schwedischen Lkw-Bauer mit der Aufstockung seines Anteils unter Druck. Am Donnerstag gab der Münchner Maschinenbau- und Nutzfahrzeugekonzern die Aufstockung seines Stimmrechtsanteils an Scania auf 14,27 Prozent bekannt. Am Aktienkapital von Scania halte MAN nun 11,48 Prozent. Die Schweden reagierten auf den Aktienerwerb mit scharfer Ablehnung. Scania-Hauptaktionär VW äußerte sich nicht, kündigte aber eine Sondersitzung des Aufsichtsrates an. Insgesamt habe MAN damit rund 1,14 Milliarden Euro in Anteile des schwedischen Konkurrenten investiert, sagte ein Unternehmenssprecher. Pro Aktie seien 475 schwedische Kronen (51,29 Euro) bezahlt worden. Gemäß schwedischem Übernahmerecht sei man nun verpflichtet, das öffentliche Angebot an diesen Preis anzupassen. Bisher hatte MAN 442 Kronen pro Scania-Aktie geboten. Daraus ergibt sich eine Anhebung der bisherigen Offerte von 9,6 Milliarden Euro um knapp acht Prozent auf fast 10,4 Milliarden Euro. Die Scania-Aktie stieg bis Donnerstagmittag an der Stockholmer Börse um zehn Prozent auf 490 Kronen. Die A-Aktie lag damit bereits über dem von MAN angekündigten neuen Angebot von 475 Kronen je Aktie. Nachdem Scania nicht auf die angekündigte Rücknahme der Übernahme- Offerte unter bestimmten Bedingungen reagiert habe, habe man sich zu diesem Schritt entschlossen, erklärte MAN-Chef Hakan Samuelsson. Zuvor seien bereits mehrere Versuche einer direkten Kontaktaufnahme fehlgeschlagen. Mit der Aufstockung der Anteile wolle man nun die Chancen erhöhen, „die angestrebte Vision zu verwirklichen“. Durch den Erwerb eines größeren Anteils an Scania reagiere MAN auf den „Wunsch der Mehrheit der Scania-Aktionäre, eine Kombination von Scania und MAN zu erreichen“. VW-Chef Bernd Pischetsrieder, dessen Unternehmen sowohl bei MAN wie Scania größter Eigner ist, hatte beide Konkurrenten zum Wochenauftakt zu freundschaftlichen Gesprächen über ein Zusammengehen aufgefordert und dafür eine Frist von vier Wochen gesetzt.
Investor will mehr Kohle für MAN
Die schwedische Finanzgesellschaft Investor hat am Donnerstag auch das höhere MAN-Angebot für eine Übernahme des schwedischen Nutzfahrzeugherstellers Scania abgelehnt.