inside im Gespräch mit Axel Gedaschko, Wirtschaftssenator und Präses der Behörde für Wirtschaft und Arbeit der Freien und Hansestadt Hamburg LOGISTIK inside: Herr Senator Gedaschko, wie wirkt sich die aktuelle Wirtschaftskrise auf den Standort Hamburg aus? Gedaschko: Wir kriegen natürlich einen kräftigen Batz mit. Am deutlichsten wird dies, wenn man über die Elbbrücken fährt und die Schiffe sieht, die nicht mehr an der richtigen Kaiseite liegen, sondern leider aufgelassen sind. Betroffen sind auch einzelne Logistikunternehmen, die sehr stark mit dem Seetransport zusammenarbeiten. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Unternehmen, die deutliche weniger spüren. Zum Beispiel Unternehmen, die im Food-Bereich aktiv sind. Also ein differenziertes Bild. Aber wir sehen Tendenzen, dass sich die wirtschaftliche Lage wieder bessert. Ein Frühindikator ist zum Beispiel der Handel mit Altpapier und Altmetallhandel. LOGISTIK inside: Altpapier und Altmetall? Gedaschko: Ja, Altpapier und Altmetall. Der Export dieser Waren nach China hat massiv angezogen. Die Preise sind ebenfalls gestiegen. Das zeigt, dass dort wieder Bewegung am Markt ist, denn sonst würden diese Güter aus Deutschland nicht nach China transportiert werden. LOGISTIK inside: Wie geht es weiter mit der Wirtschaftskrise? Gedaschko: Ich glaube, dass wir im ersten oder zweiten Quartal des kommenden Jahres wieder eine eine breite wirtschaftliche Aufwärtsbewegung sehen werden. Problematisch ist, dass die Entwicklung am Arbeitsmarkt grundsätzlich der Entwicklung der Wirtschaft um ein halbes Jahr hinterherhinkt. Dies könnte die Grundstimmung und damit das Konsumverhalten negativ beeinflussen. LOGISTIK inside: Ist die Wirtschaftskrise unter dem Gesichtspunkt des Ausbaus der deutschen Verkehrsinfrastruktur nicht ein Glücksfall für die Logistik? Durch die Konjunkturpakete werden in diesem und im kommenden Jahr jeweils zwei Milliarden Euro mehr investiert, als ursprünglich geplant. Gedaschko: Mehr Geld für wirklich wichtige Infrastrukturprojekte ist natürlich wichtig. Man muss aber fragen, geht das Geld wirklich dorthin, wo es auch volkswirtschaftlich sinnvoll ist, oder werden damit Dinge gemacht, wo man sich fragen muss, geht es vielleicht nach anderen Maßstäben. LOGISTIK inside: Und wird das Geld sinnvoll eingesetzt? Gedaschko: Bei manchen Projekten mache ich deutliche Fragezeichen dahinter, weil die volkswirtschaftliche Sinnhaftigkeit sich mir nicht so unmittelbar erschließt. Es gibt ein massives Defizit gerade bei den Hafenanbindungen, das betrifft nicht nur den Hamburger Hafen. Auch der künftige Hafen von Wilhelmshaven, die Bremer Häfen oder Rostock - überall gibt es Probleme. Und dass diese wirklich gelöst werden, kann ich nur begrenzt erkennen.
Interview mit Wirtschaftssenator Gedaschko: „Frühindikatoren Altpapier und Altmetall“
Im Gespräch mit Axel Gedaschko, Wirtschaftssenator und Präses der Behörde für Wirtschaft und Arbeit der Freien und Hansestadt Hamburg