Interview: "Luftfrachtspediteure müssen sich spezialisieren"

10.11.2015 12:30 Uhr
Dirk Steiger
Dirk Steiger ist geschäftsführender Gesellschafter bei der Beratungsfirma AAA Air Transport & Air Infrastructure Advisory
© Foto: AAA Air Transport & Air Infrastructure Advisory

Was Luftfracht-Speditionen tun müssen, um sich krisenfest zu machen, sagt Dirk Steiger, geschäftsführender Gesellschafter der Beratungsfirma AAA.

Die europäische Luftfrachtbranche meldet weitere Rückgänge. Woran liegt das?

Die Airlines befinden sich in einer Sandwichposition: Auf der einen Seite jagen ihnen die Carrier aus der Türkei und dem Nahen Osten mit niedrigen Preisen die Kunden ab, auf der anderen Seite sind die Integrators auf dem Vormarsch. Hier könnte sich durch die Fusion von TNT und FedEx künftig der Wettbewerbsdruck sogar noch erhöhen; TNT ist bei schweren Gütern in Europa stark, die neu fusionierte Gesellschaft könnte das nutzen, um ihren Service in neue und weitere Märkte ausdehnen – unter welchem Markennamen auch immer. Das würde das Geschäft der klassischen Luftfrachtspediteure bedrohen.

Wie sollten die Spediteure darauf reagieren?

Die Speditionsunternehmer haben aus meiner Sicht mehrere Optionen: Sie können sich auf eine Nische spezialisieren, etwa auf temperaturgeführte Transporte oder auf bestimmte Güter wie Hightech. Ziel muss sein, mit und für einen Kunden einen Service zu entwickeln und ihn so zu binden. Eine weitere Möglichkeit wäre, sich auf eine bestimmte geografische Region zu spezialisieren. Und schließlich könnten sich die Spediteure zu einer Allianz zusammenschließen und die Welt quasi aufteilen. Das würde für einzelne Anbieter natürlich bedeuten, bestimmte Geschäfte abzugeben. Fest steht: Allein organisches Wachstum reicht in Zukunft nicht mehr. Ich erwarte, dass die kapitalstarken Luftfrachtspeditionen weitere Firmen zukaufen werden.

Wie sehen Sie die Zukunft der Luftfracht vor dem Hintergrund der Grünen Logistik?

Man darf nicht vergessen, dass der Treibstoffverbrauch der Flugzeuge in den letzten Jahren stark gesenkt wurde – mehr als bei jedem anderen Transportmittel. Außerdem ist der Vergleich mit der Seefracht nicht immer fair, da es beim Schiffstransport oft eine Zwischenlagerung gibt, die in die Klimabilanz nicht eingerechnet wird. Aber natürlich: Das Flugzeug ist nicht der Inbegriff von Grüner Logistik. Die Frage ist, welche Rolle dieser Punkt für die Verlader spielt. Ich sehe, dass hier nach wie vor nur nach Preis ausgewählt wird.

Die Luftfracht sieht sich immer als Tempo-Champion. Trotzdem wird auch hier immer noch mit Papier hantiert …

Der elektronische Frachtbrief wird zwar seit Jahren propagiert, trotzdem geht es nicht voran. Das ist aber nicht die Schuld der Branche. Solange die Behörden noch auf Papiere bestehen, wird das Projekt E-Freight nicht realisiert. Hier ist die Politik gefragt. Die Welthandelsorganisation WTO sollte bei dem Thema global Gas geben.

Das Interview führte Constantin Gillies, freier Journalist

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