Hamburg. Die Bundesregierung soll sich bei dem geplanten Verkauf der deutschen Traditionsreederei Hapag-Lloyd seitens der Muttergesellschaft TUI einmischen. Das fordert Wolfgang Peiner, Koordinator der Hamburger Investoren-Gruppe in einem heute im „Hamburger Abendblatt“ erschienenen Interview. Das Konsortium hat neben der Reederei NOL aus Singapur ein Kaufangebot unterbreitet. Peiner begründet seine Forderung unter anderem damit, dass hinter NOL die geballte Wirtschaftskraft Singapurs steht. Dieser versuche, so Peiner, „die Bedeutung des Stadtstaates Singapur zu Lasten des Schifffahrtsstandortes Deutschland zu stärken“. Der ehemalige Hamburger Finanzsenator weiter: „In diesem Fall muss sich auch hierzulande die Politik einmischen, sonst würde sie ihrem Auftrag nicht gerecht, Schaden von Deutschland fernzuhalten“. Peiner ist überzeugt davon, dass im Falle einer Übernahme von Hapag-Lloyd durch die Reederei NOL nichts beim Alten bleiben werde. Er prophezeit einen „Kahlschlag“ am Reedereistandort Hamburg „und in vielen Niederlassungen“. Die Tatsache, dass NOL selbst erklärt habe, das große Verwaltungsgebäude der Hapag-Lloyd am Ballindamm nicht kaufen zu wollen, ist für Peiner ein weiteres Indiz dafür, dass die Reederei aus Singapur einen Kurs verfolgt, der an Hamburg vorbeiführt. Das aus Banken, Versicherungen sowie Logistiunternehmen gebildete Hamburger Konsortium habe hingegen klar erklärt, „Hapag-Lloyd als eigenständiges Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg weiter zu entwickeln“. Weltweit solle die Marktposition der Reederei weiter gestärkt werden. Peiner geht davon aus, dass der TUI-Konzern spätestens Mitte Oktober erklären wird, wer den Zuschlag zum Kauf des Hapag-Lloyd -Konzerns bekommen wird. Keine Angaben machte der ehemalige Hamburger Finanzsenator über die Höhe des Kaufgebotes seitens des Hamburger Konsortiums. Einem Bericht des Regionalsenders „NDR 90,3“ zufolge sollen es rund vier Milliarden Euro sein. Das NOL-Gebot soll in der Größenordnung von vier bis fünf Milliarden Euro liegen. (eha)
Hapag-Lloyd-Verkauf: Berlin soll eingreifen
Wolfgang Peiner, Koordinator des „Hamburger Konsortiums“ wirft Singapur-Reederei Kahlschlag-Kurs vor