Hamburg/Berlin. Die Crew des von somalischen Piraten freigelassenen deutschen Frachters „Hansa Stavanger“ wird an diesem Dienstag in ihrer Heimat erwartet. Nach Angaben der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg sollten alle 24 Besatzungsmitglieder noch am Montag aus dem kenianischen Mombasa abfliegen und im Laufe des Dienstags in ihren Herkunftsländern eintreffen. Neben fünf Deutschen stammen zwölf Crewmitglieder aus Tuvalu im Südpazifik, drei aus Russland, zwei aus der Ukraine und zwei von den Philippinen.
Die „Hansa Stavanger“ war am 4. April rund 400 Seemeilen vor der somalischen Küste von Seeräubern überfallen und gekapert worden. Am 3. August gaben die Piraten das Containerschiff gegen ein Millionen- Lösegeld wieder frei. Am Samstag lief es Mombasa an. Wann das Schiff den kenianischen Hafen wieder verlassen kann, ist nach Angaben der Reederei unklar. Derzeit werde es auf Schäden untersucht, etwa durch den Muschelbefall wegen der langen Liegezeit. Auch ist noch das Bundeskriminalamt (BKA) an Bord, um etwa Fingerabdrücke und DNA-Spuren zu sichern. Dessen Ermittlungen werden voraussichtlich noch fünf Tage dauern, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg.
Die Staatsanwaltschaft der Hansestadt ermittelt seit April gegen unbekannt wegen des Verdachts eines gemeinschaftlichen Angriffs auf den Seeverkehr und der schweren räuberischen Erpressung. Kenia habe dem Rechtshilfeersuchen aus Deutschland inzwischen für zwei BKA- Beamte zugestimmt und für die weiteren fünf Ermittler Zustimmung signalisiert, berichtete der Behördensprecher.
Reederei weist Vorwürfe gegen Kapitän zurück
Die Hamburger Reederei hat unterdessen Vorwürfe gegen den Kapitän der „Hansa Stavanger“ zurückgewiesen. Demnach habe der Kapitän die geplante Route ordnungsgemäß angemeldet. Die „Stavanger“-Route sei in einer Entfernung von 500 Seemeilen vor der Küste Somalias verlaufen, während die Empfehlung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) einen Abstand von nur 450 Seemeilen vorsah. In Medienberichten hatte es zuvor geheißen, die „Hansa Stavanger“ sei bei der Entführung nicht auf dem empfohlenen Sicherheitskurs gewesen.
Die italienische Regierung gab am Montag bekannt, dass somalische Piraten den am 11. April gekaperten Schlepper „Buccaneer“ (Pirat) freigegeben haben. Es sei kein Lösegeld für die Freilassung des Schiffes und seiner 16-köpfigen Besatzung - zehn Italiener, fünf Rumänen und ein Kroaten - bezahlt worden sei. „Die Piraten haben einfach den Rückzug angetreten“, sagte Frattini.
Mehrheit gegen Grundgesetzänderung
In Deutschland stößt unterdessen der Vorstoß von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zum Einsatz der Bundeswehr bei Geiselbefreiungen im Ausland weiter auf breite Abgelehnung. Jung hatte die Forderung nach einer Änderung des Grundgesetzes am Wochenende mit Blick auf den Fall „Hansa Stavanger“ erhoben. Der stellvertretende Regierungssprecher Klaus Vater wies auf die Bundestagswahl am 27. September hin und machte deutlich, dass der Jung-Vorschlag allein aus Zeitgründen in naher Zukunft nicht umgesetzt werden könne.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hielt Jung vor, eine „völlig unnötige Debatte“ angezettelt zu haben. „Die rechtlichen Möglichkeiten sind da.“ Auch von der FDP, dem potenziellen künftigen Koalitionspartner der Union, kam eine klare Absage. Petra Pau von der Linkspartei, nannte es perfide, wenn Jung nun das Geiseldrama für einen neuerlichen Vorstoß für eine Grundgesetzänderung benutze. (dpa)