Hamburg. Hamburgs Speditions- und LKW-Transportgewerbe drängt den schwarz-grünen Senat, an den Plänen zur Vervollständigung einer leistungsstarken Ost-West-Verbindung am Nordrand des Stadtstaates unbedingt festzuhalten. Dabei handelt es sich um den so genannten Ring 3, der die beiden Nord-Süd-Autobahnen A 7 und A 1 in Ost-West-Richtung – über bestehende Stadtstraßen – miteinander verbindet. Mit dem Verzicht auf den Lückenschluss im Zuge des Ring 3 drohten dem Verkehrsgewerbe, aber auch dem Handel und der Industrie dauerhafte Zusatzkosten. Zudem entstünden aufgrund von Umwegverkehren erhebliche Umweltbelastungen, argumentieren die beiden Fachverbände Verein der Hamburger Spediteure (VHSp) sowie der Landesverband Straßengüterverkehrsgewerbe Hamburg e.V. (LSH). Dessen Geschäftsführer, Frank Wylezol, zeigte sich geradezu „bestürzt“ über die Pläne der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), „den Flächennutzungsplan (F-Plan) so anzupassen, dass es unter dem Strich keinen in sich abgeschlossenen Ring 3 geben kann und wird“. Während die Ringe 1 und 2 vorhanden sind – sie befinden sich im Kernstadtgebiet –, fehlt im Norden der Stadt eine Durchgängigkeit des Ring 3 von West nach Ost und umgekehrt. Nach Überzeugung des LSH seien die inneren Straßenringe nicht geeignet, um den Transit-Schwerlastverkehr aufzunehmen. Für Wylezol reiht sich diese Absicht der von der GAL-Politikerin Anja Hajduk geführten BSU ein in eine ganze Kette „von unglücklichen, infrastrukurellen Sündenfällen“ in der 1,7 Millionen-Einwohner-Metropole aus den zurückliegenden 40 Jahren. Dass es auch anders geht, zeigten deutsche Großstädte wie Berlin, München oder Frankfurt/Main. Sie hätten im Laufe der zurückliegenden Jahre systematisch einen die Innenstädte vom Durchgangsverkehr entlastenden Autobahnring erhalten haben. Das Fehlen eines funktionierenden Ringsystems in Hamburg führe dazu, dass „innerstädtische Touren die Betriebe richtig Geld kosten“, unter anderem durch die vielen Staus. Der LSH hat die Staukosten für die Hamburger Transportunternehmen einmal grob hochgerechnet: bis zu 200 Millionen Euro im Jahr. Eine Abkehr von den Ring-3-Plänen bedeute auch erhebliche Mehrkilometer im Jahr:„Statt einer einzurichtenden Autobahnabfahrt Barsbüttel im Zuge der A 1 steht den Unternehmen weiterhin nur die Anschlussstelle Stapelfeld zur Verfügung.“ Im Zeichen von Klimawandel, Emissionsdiskussionen, steigenden Energiepreisen sowie hohen straßenbezogenenen Abgaben sei das „volkswirtschaftlich und umweltpolitisch unverantwortlich.“ Indes hat der „Norddeutsche Rundfunk“ (NDR) durch sein Hamburg-Programm „NDR 90,3“ die Stimmung in der Hamburger Wirtschaft nach einem Jahr Schwarz-Grün ausloten lassen. In der gemeinsam mit Wirtschaftsverbänden durchgeführten Umfrage stellten die Betriebe dem Senat ein „Befriedigend“ aus. (eha)
Hamburger Verkehrsgewerbe fordert Nordring
Bestürzung über angeblichen Verzicht auf einen Autobahnring im Norden Hamburgs – Mehrkilometer und höhere Emissionen drohen