Hamburg. Der erfolgsverwöhnte Hamburger Hafen muss sich beim Güterumschlag in den ersten sechs Monaten mit etwas kleineren Brötchen zufrieden geben. Das musste Claudia Roller, seit April diesen Jahres gemeinsam mit Jürgen Sorgenfrei Vorstand der Hafen Hamburg Marketing (HHM), am Donnerstag in der Hansestadt vor Journalisten einräumen. Beim Gesamtumschlag legte der Elbe-Hafen um gut fünf Prozent auf 71 Millionen Tonnen zu. In seiner bisherigen Königsdisziplin, dem Containerumschlag, muss sich Deutschlands größter Universalhafen aber mit gerade einmal 3,8 Prozent mehr TEU (Standardcontainer) zufrieden geben. Im 1.Halbjahr gingen rund fünf Millionen TEU über die Kaikanten. Vor einem Jahr zur selben Zeit konnte die HHM für den ersten Sechsmonatszeitraum 2007 beim Containerumschlag noch ein Plus von 14,3 Prozent verkünden. Trotz des schwächeren 1.Halbjahres ist die HHM zuversichtlich, auch 2008 mit neuen Bestmarken glänzen zu können: "144 Millionen Tonnen und 10,5 Millionen TEU liegen drin.“ Freude und Enttäuschung Überhaupt lässt sich das aktuelle Umschlagergebnis mit einem Satz zusammenfassen: Freude und Enttäuschung liegen dicht beieinander. Während der Containerumschlag auch und gerade im Vergleich mit der Entwicklung in den wichtigen Wettbewerbshäfen der Hamburg-Le Havre-Range eher schwächelte – der Zuwachs bei den Mitbewerbern liegt hier bei gut sieben Prozent auf TEU-Basis – bereitet der wertschöpfungsintensive, konventionelle Stückgutumschlag dem Hamburger Hafen wiederum Freude. Mit 1,5 Millionen Tonnen liegt das Ergebnis um 4,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Roller: "Die positive Entwicklung der vergangenen Jahre hat sich damit fortgesetzt." Im Massengutsektor fielen im aktuellen Berichtszeitraum gut 19,8 Millionen Tonnen an, das entspricht einem Rückgang von 3,7 Prozent gegenüber dem 1.Halbjahr 2007. Während so genanntes Greifergut wie Kohle, Erze oder Dünger im Vergleich zum Vorjahr deutlich verloren – um 12,1 Prozent auf 9,6 Millionen Tonnen - , legten Flüssigladung um 0,2 Prozent auf 7,2 Millionen Tonnen und Sauggüter (Getreide, Ölsaaten) um 22,6 Prozent auf drei Millionen Tonnen zu. Ein Grund für diese aus Hamburger Sicht besonders erfreuliche Entwicklung besteht darin, dass die auf dieses Segment spezialisierten Umschlagbetriebe in den letzten Jahren umfassend in den Ausbau ihrer Umschlag- und Lagerkapazitäten investiert haben. Weltweit besteht eine anhaltend hohe Nachfrage nach qualifizierten Zwischenlagern für diese weltweit verhandelten Produkte. Abkühlende Weltkonjunktur wirkt sich aus Für die uneinheitliche Umschlagentwicklung im Elbe-Hafen im aktuellen Berichtszeitraum gibt es nach Darstellung von Roller eine Fülle von Ursachen. So bekommt auch Hamburg inzwischen die Folgen einer sich allmählich abkühlenden Weltkonjunktur zu spüren. Ein anderer Grund besteht in der anhaltenden Schwäche des Dollar des gegenüber dem Euro. Sie trifft nicht nur die Exportnation Deutschland, sondern auch andere starke Export-Nationen aus dem Euro-Raum, die den Hamburger Hafen zur Abwicklung ihrer seewärtigen Transporte nutzen. Auch große Naturkatastrophen wirken sich aus, zumal dann, wenn man wie Hamburg in einem besonderen Maße vom seewärtigen Verkehr mit bestimmten Fahrtegebieten abhängt. So wurde China in diesem Jahr von mehren Katastrophen heimgesucht – darunter auch das große Erdbeben. China stellt mittlerweile immerhin ein gutes Drittel des Drittel des Hamburger Containerumschlags. Zum Vergleich: In Rotterdam macht der Anteil China-Ladung gut 30 Prozent des Containerverkehrs aus. Doch auch standortbezogene Defizite kommen beim Umschlag stärker zum Tragen. Dazu gehören die Engpässe in der Hinterland-Infrastruktur des Elbe-Hafens ebenso wie die immer noch nicht vollzogene Fahrrinnenanpassung der Elbe. Roller: "Schiffe mit mehr als 12,80 m Tiefgang können bei voller Abladung die Elbe nur tidenabhängig befahren." Elb-Fahrrinnen-Anpassung als Top-Projekt Hamburgs neuer Hafen- und Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) stellte klar, dass daher die Elb-Fahrrinnen-Anpassung zu den Top-Projekten gehört. "Ich gehe davon aus, dass wir 2009 den Planfeststellungsbeschluss bekommen. Dann könnten die Bauarbeiten beginnen, die sich über eine Gesamtlänge von 20 bis 24 Monaten erstrecken." Gedaschko betonte, dass er "gerichtsfeste" Planungsunterlagen haben wolle, denn er rechnet in jedem Fall mit Klagen gegen diese für den Hafen so wichtige Maßnahme. Entscheidungen stellte Gedaschko für zwei andere wichtige Hafen-Vorhaben noch in diesem Jahr in Aussicht: Die Weiterentwicklung des Mittleren Freihafens, wo ein neuer Containerterminal entstehen soll, sowie die Zukunft des Freihafens. Dabei gehe es nicht mehr um das "Ob", sondern nur noch um das "Wie, betonte der Senator. (eha)
Hafen Hamburg mit Halbjahresbilanz: Die Kranräder liefen etwas langsamer
Hafen-Marketing-Organisation HHM: Gut 10,5 Millionen TEU bis Ende 2008 angestrebt / Fahrrinnen-Anpassung der Elbe dringlicher denn je