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Hafen Hamburg: HPA definiert neues Gelände für Baggergut-Deponie

Im Hamburger Hafen muss permanent gebaggert werden
© Foto: Arndt

Planungen laufen jetzt an / Aktuelle Deponiekapazitäten reichen noch bis 2013 / 55 Millionen Euro jährlich für das aufwändige Elbschlick-Management in Hamburg


Datum:
15.09.2010
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Hamburg. In der europäischen Hafengeschichte gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass an Flüssen gelegene Häfen in die Bedeutungslosigkeit abrutschten, weil die Wasserläufe immer mehr verschlickten und damit eine Schifffahrt unmöglich machten. Auch im Hamburger Hafen muss permanent gebaggert werden, um die gegenüber den Hafenkunden, den Terminalbetreibern und den Reedereien, garantierten Wassertiefen dauerhaft beibehalten zu können. Denn mit dem Elbstrom werden laufend große Mengen Schlicksedimente transportiert, die sich in allen Hafenteilen sowie im Flussbereich ablagern. Da der Schlick, der noch vor 50 Jahren teilweise als eine Art Dünger in der Landwirtschaft auf die Felder gebracht wurde, aufgrund seiner weiterhin hohen Schadstoffbelastung seit etlichen Jahren aufwändig aufbereitet und zum Teil deponiert wird, muss sich Hamburg rechtzeitig nach entsprechenden Deponieflächen umsehen. Von den jährlich zwischen fünf bis sechs Millionen Kubikmetern entnommenen Schlickmengen müssen am Ende einer komplexen Verfahrenskette rund 500.000 Kubikmeter im Jahr auf Deponien gelagert werden. Bei der Hamburg Port Authority (HPA) schlagen die Kosten des Elbschlick-Managements mit jährlich rund 55 Millionen Euro zu Buche.

Heutiger Deponieraum reicht noch bis 2013, mit etwas Glück bis 2014
Die aktuell verfügbare Deponieraum auf dem vergleichsweise kleinen Hamburger Staatsgebiet reicht nach heutiger Einschätzung "noch bis 2013, mit etwas Glück noch bis 2014", beschrieb HPA-Geschäftsführer Jens Meier, in Hamburg vor Journalisten den Handlungsdruck. Im Sommer 2009 beauftragte die HPA ein Gutachterbüro damit, den Stadtstaat nach geeigneten Flächen für eine Endlagerstätte für den immer noch belasteten Hafenschlick zu finden. Keine einfache Aufgabe, wie Verena Gabske, Gutchterin bei der Atus GmbH, vor den Journalisten einräumte. "Es gibt in Hamburg keine Fläche, die in Hamburg ohne Eignungseinschränkung ist", sagte sie weiter. Elf Standorte, teilweise bereits heute als Deponie oder Spülfeld genutzt, nahmen Gabske und ihre Kollegen unter die Lupe. Am Ende verblieben vier Areale, die zumindest potenziell in Betracht kamen. Mittels eines sehr komplexen Kriterienkataloges wurden die Grundstücke unter die Lupe genommen. Am Ende des Verfahrens steht jetzt fest: Die Schlickdeponie soll auf dem Gelände der heute bereits als sogenannte "Entwässerungsfelder" genutzten Fläche im Stadtteil Moorburg-Mitte angelegt werden. Für die Standortwahl sprachen neben der aus Gutachter- und HPA-Sicht grundsätzlichen Eignung auch, dass das weitläufige Grundstück Bestandteil des Hafenerweiterungsgebietes ist. Es grenzt beispielsweise unmittelbar an das Güterverkehrszentrum Altenwerder mit dem darin integrierten Containerteerminal Altenwerder. Zudem ist die Fläche bereits im Eigentum der HPA.

Das ausgesuchte Areal ist schon Bestandteil des Hafenerweiterungsgebietes
"Wir können hier den Schlick für voraussichtlich zehn Jahre zwischenlagern", schätzte Claudia Flecken, Leiterin Hafeninfrastruktur bei HPA, ein. Dabei könnte am Ende ein bis zu 20 Meter hoher Berg entstehen. Diese Fläche soll dann für Hafenzwecke genutzt werden. Ein weiterer, wichtiger Vorteil dieser Fläche ist, dass es nur wenige Kilometer bis zur Schlickaufbereitungs-Anlage METHA in Hamburg-Francop ist. Hier wird der Schlick von seinen Sandanteilen getrennt, die dann teilweise für Baumaßnahmen eingesetzt werden. Die Restmengen werden mittels LKW nach Moorburg-Mitte transportiert. Damit dieser Standort als Schlickdeponie genutzt werden kann, müssen allerdings umfangreiche Genehmigungsverfahren durchlaufen werden. "Wir gehen davon aus, dass wir dafür vier bis fünf Jahre Zeit benötigen", sagte HPA-Fachfrau Flecken. Recht kurzfristig sollen daher Bürgerinformationsveranstaltungen für die in Moorburg lebenden Bürger stattfinden.

Eventuell auch kostenträchtige Endlagerung in anderen Bundesländern
Flecken und Meier räumten ein, dass die mögliche Verfügbarkeit der Schlickdeponie in Moorburg-Mitte und das Erreichen der Kapazitätsgrenzen auf den beiden aktuell genutzten Flächen zeitlich auseinanderklaffen könnte. Die Konsequenz für Meier heißt: "Wir müssten dann den Restschlick in anderen Bundesländern endlagern, was natürlich entsprechende Mehrkosten nach sich ziehen würde." Der Handlungsdruck ist in jedem Fall groß, "denn wir müssen die Betriebsfähigkeit des Hamburger Hafens absichern", betonte HPA-Chef Jens Meier.

Kritik von den Umweltverbänden
"Überrascht" zeigte sich die Umweltschutzorganisation BUND über die von der HPA getroffene Standortwahl. Er fordert "einen offenen Dialog" mit den Bürgern des Stadtteils sowie dessen "Herausnahme" aus dem Hafenerweiterungsgebiet. Zudem müsse Hamburg auf die Elbvertiefung verzichten, da damit eine deutliche Zunahme der Hafenschlickmengen zu erwarten sei, so der BUND. (eha) 

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