München. Seit dem 26. April gibt es eine regelmäßige Güterzugverbindung zwischen der zentralchinesischen Metropole Chengdu und Lodz in Polen. Die Abfahrten der mit bis zu 41 Containern (40-Fuß-Boxen) beladenen Züge erfolgen jeweils samstags und erreichen das Ziel Lodz nach vierzehntägiger Fahrzeit. Organisiert und durchgeführt werden die Transporte vom polnisch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen Chengdu Hatrans YHF Intermodal Logistics. Das Angebot zur Güterbeförderung per Schiene auf dieser neuen interkontinentalen Landverbindung steht dem Markt offen und wird derzeit unter anderem von DHL und Hellmann aktiv genutzt.
Wie Präsident Sofiane Rachedi vom chinesisch-polnischen Betreiberkonsortium auf einer Informationsveranstaltung im Rahmen der Münchner Messe Transport Logistic sagte, würden die Züge per GPS überwacht. Das diene erstens der Sicherheit der Transporte und komme Kunden zugute, die sich laufend über den Fortgang der Fahrten und den jeweiligen Aufenthalt der Züge informieren könnten. Ferner betonte der Manager, dass die Daten über die jeweiligen Güter innerhalb der Container den Zollbehörden der einzelnen Länder elektronisch vorab übermittelt würden. Diese papierlose Vorab-Dokumentation der Sendungen beschleunige das Passieren der Staatsgrenzen von Kasachstan, Russland, Weißrussland und Polen auf der insgesamt 9826 Kilometer langen Strecke enorm. Rachedi kündigte an, dass in umgekehrter west-östlicher Laufrichtung frühestens diesen September, spätestens aber im April 2014 wöchentliche Transporte stattfinden würden.
Hellmann-Eigner Klaus Hellmann betonte, dass die jetzigen Fahrten auf dieser Schienentrasse erst der Beginn einer dynamischen Entwicklung seien. Als mittelfristiges Ziel nannte er tägliche Zugpaare. Auch schloss der Manager nicht aus, dass es in nicht ferner Zukunft Direktverkehre nach Hamburg oder Duisburg geben werde, mit Weiterfahrt der Güter per Schiff an die Ostküste der USA. Mehrere Hauptgründe führte er dafür an: So ließe sich eine wachsende Anzahl von Firmen in und um Chengdu nieder, also in Zentralchina, um dort Waren für den internationalen Markt zu produzieren. Parallel dazu würde der chinesische Staat durch eine langfristig angelegte Logistik- und Infrastrukturpolitik die nötigen Voraussetzungen für den Umschlag der Waren schaffen.
Als weiteren Aspekt nannte Hellmann die Kostenvorteile für die Spediteure bei Nutzung der transnationalen Güterzüge. Diese kosten im Vergleich zur Luftfracht deutlich weniger und seien zudem günstiger als die kombinierten Sea-Air-Verkehre via arabische Golfhäfen. Gegenüber dem deutlich langsameren Seetransport von Ostasien nach Westeuropa würde die Zugverbindung vor allem Zeitvorteile bieten. Dadurch könnten die Waren am Zielort schneller vermarktet werden, was die Kapitalbindung für die Importeure im Vergleich zur Seefracht erheblich reduziere. (hs)