Luxemburg. Die Europäische Union richtet neun grenzüberschreitende Trassen für Güterzüge ein. Damit solle mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene kommen, beschlossen die Verkehrsminister der 27 EU-Staaten am Donnerstag in Luxemburg nach längerem Streit. Auf bestimmten Strecken sollen Güterzüge Vorfahrt vor Personenzügen haben. Deutschland, das als Transitland besonders betroffen ist, erhielt schließlich Zusagen, dass der Personenverkehr nicht benachteiligt werde. „Güterzüge sollen wichtiger werden - aber ohne dass der Personenverkehr leidet“, betonte EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani. Drei der Korridore laufen durch Deutschland. Es geht dabei um folgende Strecken: Rotterdam-Duisburg-Genua, Stockholm-Hamburg- Palermo und Bremerhaven-Rotterdam-Berlin. Die EU will die Wettbewerbsfähigkeit des Güterschienenverkehrs stärken. Das Europaparlament muss dem Kompromiss noch zustimmen. Einige Mitgliedstaaten, vor allem Deutschland, machten Front gegen ihrer Meinung nach zu starre Vorrangsregeln, um Auswirkungen auf den Personenverkehr zu vermeiden. Deutschland hat in der EU die meisten Güterzüge zu verkraften. Der frühere Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte im März noch vor „erheblichen Nachteilen“ für den deutschen Personenverkehr durch die geplanten Regelungen gewarnt. Mit dem Kompromiss könne der Verkehr jetzt aber optimal organisiert werden, betonte Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup. Trassen werden nicht unnötig für den Güterverkehr reserviert, wenn dafür kein Bedarf besteht. „Der Kompromiss ist in Ordnung“, sagte der Staatssekretär. Nach Angaben des SPD-Europaabgeordneten Ulrich Stockmann hat der Schienenverkehr nur einen Anteil von rund zehn Prozent am EU-weiten Gütertransport. 27 Prozent der gesamten CO2- Emissionen in der EU verursacht der Gütertransport – davon stammten 73 Prozent vom Güterverkehr auf der Straße. (dpa/pi)
Güterzüge bekommen Vorfahrt – neun grenzüberschreitende Korridore in der EU
EU-Verkehrskommissar Tajani: „Güterzüge sollen wichtiger werden – aber ohne dass der Personenverkehr leidet“