Grünes Licht für Premierenfahrt durch Nordostpassage

24.08.2009 11:49 Uhr

Zwei deutsche Handelsschiffe wollen den Seeweg von Asien nach Europa auf der Nordostpassage in einer Saison bewältigen / Russland gibt grünes Licht

Moskau/Bremen. Erstmals in der Schifffahrtsgeschichte wollen zwei deutsche Handelsschiffe den Seeweg von Asien nach Europa auf der Nordostpassage in einer Saison bewältigen. Russland habe am Freitag grünes Licht für die Premierenfahrt durch seine Hoheitsgewässser nahe der sibirischen Küste gegeben, teilte die Reederei Beluga Shipping in Bremen mit. Im russischen Pazifikhafen Wladiwostok lichteten die Schwergutfrachter MS „Beluga Fraternity“ und „Beluga Foresight“ die Anker. Auf dem Weg nach Europa ist ein Zwischenstopp im sibirischen Novyy Port vorgesehen. Dort sollen die Frachter Ausrüstung für den Bau eines Kraftwerks in Surgut löschen. Der geschäftsführende Gesellschafter der Reederei, Niels Stolberg, äußerte sich beim Start der Premierenfahrt optimistisch. „Wir nutzen die Nordost-Passage, um Reisezeit, Treibstoff und damit Kosten zu sparen. Der auf dieser deutlich kürzeren Route weniger verbrauchte Treibstoff trägt zudem zur Schonung von Umwelt und globalem Klima bei.“ Versuche, die Nordostpassage zwischen den Häfen Wladiwostok und Murmansk mit Frachtschiffen in einer Saison zu bewältigen, wurden in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach unternommen. Sie scheiterten jedoch nach Angaben der Beluga-Reederei ausnahmslos. Am weitesten kam der schwedische Polarforscher Adolf Erik Nordenskiöld. Mit dem 300- Tonnen-Dampfschiff „Vega“ startete er 1878 im norwegischen Tromsö. 120 Kilometer vor dem Ziel blockierte Eis die Weiterfahrt. Erst nach einer Überwinterung erreichte Nordenskiöld 1879 den Pazifik. Erfolgreich war lediglich ein deutsches Kriegsschiff. Der Hilfskreuzer „Komet“ schaffte die Passage mit Unterstützung sowjetischer Eisbrecher im Sommer 1940. Die Nordroute ist nach Angaben der Reederei rund 5400 Kilometer kürzer und damit deutlich kostengünstiger als der traditionelle Weg durch den Suezkanal und das Mittelmeer. Angesichts der Piratengefahr auf dem Weg zum Suezkanal gilt er auch als sicherer. Möglich wird die Fahrt durch das Polarmeer wegen des Klimawandels. Mit steigenden Durchschnittstemperaturen hält er den Seeweg in den Sommermonaten inzwischen zeitweise weitesgehend eisfrei. Für die Überwindung unvorhergesehener Eisbarrieren bieten russische Atomeisbrecher ihre Unterstützung an. Die „Beluga Fraternity“ und die „Beluga Foresight“ haben nach den Abgaben der Reederei die sogenannte Eisklasse E3. Damit seien sie für das nördliche Gewässer geeignet. Geführt werden die Schiffe von russischen Kapitänen. Sie und ihre jeweils 14 Mann Besatzung mussten vor Antritt der Premierenfahrt knapp vier Wochen in Wladiwostok auf die Transit-Genehmigung und die Erledigung von Zoll-Formalitäten warten. In dieser Zeit überprüften russische Behörden Schiffe, Mannschaften und Ladung. (dpa)

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