Grube will Aufklärung der DB-Datenaffäre

07.04.2009 17:19 Uhr
Rüdiger Grube
Rüdiger Grube will die Datenaffäre bei der Deutschen Bahn bis zum 1. Juni aufklären
© Foto: ddp

Designierter Bahnchef plädiert gegen Zerschlagung des Konzerns

Berlin. Der voraussichtlich neue Bahnchef Rüdiger Grube will die vom bisherigen Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn eingeleitete weltweite Ausrichtung der Deutschen Bahn fortführen. Das kündigte der 57-jährige Grube am Dienstag bei seiner Vorstellung vor den Medien an. Vorrangig wolle er jetzt „alles unternehmen“, damit die Datenschutz-Affäre bis zum 1. Juni aufgeklärt werden könne. Diese Vertrauenskrise reiche über die Grenzen hinaus und müsse schnellstmöglich gestoppt werden, sagte er in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Auch er verlangte Aufklärung „bis auf den Grund“. „Ich schrecke nicht davor zurück, sofort nach Vorlage der Ergebnisse auch Konsequenzen zu ziehen“, sagte Grube zur Ausforschung von Bahn-Mitarbeitern. Wann der Noch-Daimler-Manager sein neues Amt antritt, werde in den nächsten Tagen bekanntgegeben, so der von der Bundesregierung als Bahnchef vorgeschlagene Daimler-Manager. Zuvor muss er noch vom Aufsichtsrat gewählt werden. Grube bezeichnete Mehdorn, unter dem er teilweise seit Ende der 80er Jahre in der Flugzeugbauindustrie gearbeitet hatte, als „großes Vorbild“. Die Bahn sei in den zehn Jahren Mehdorn-Führung besser geworden. „Ich kann da nichts Schlechtes sagen.“ Er übernehme kein marodes Unternehmen. Anfang der 90er Jahre hatten sich die Wege Grubes und Mehdorns gekreuzt. Mehdorn war von 1989 bis 1992 Vorsitzender der Airbus-Geschäftsführung, Grube sein Büroleiter. 1992 wechselten beide zum Luft- und Raumfahrtunternehmen Dasa nach München – Mehdorn als Vorstandsmitglied und Grube als Standort-Leiter in Ottobrunn. Grube deutete an, dass er aus Gründen der Belastung als Bahnchef sein Amt im Dasa-Verwaltungsrat voraussichtlich aufgeben will. Beim Auflösungsvertrag mit Daimler sei man „auf gutem Wege“. Große strategische Veränderungen sind nach den Erläuterungen des künftigen Bahnchefs nicht in Sicht. Ein Börsengang komme in der Finanzkrise nicht infrage. Deshalb habe er zunächst „viel Zeit“, um über die weitere Struktur nachzudenken. Eine Teilprivatisierung sei nicht grundlegend von der Hand zu weisen. Sie war im Herbst 2008 im Zuge der Krise auf unbestimmte Zeit abgesagt worden. Wie Tiefensee bekräftigte auch Grube die Absicht, den integrierten Konzern mit Schienennetz und Fahrbetrieb nicht zu zerschlagen und den offenen Arbeitsmarkt im Konzern zu erhalten. Darüber sei er sich auch mit den Gewerkschaften einig. Einem von ihnen dazu vorgelegten Vertrag könne er jedoch nicht unterzeichnen, sagte Grube. Er nehme das Memorandum der Gewerkschaften hierzu „zur Kenntnis“. Er stehe inhaltlich dazu und brauche deshalb keinen Vertrag. Unstimmigkeiten mit den Gewerkschaften erwarte er deshalb nicht. „Sie werden nicht erleben, dass ich den Konzern zerschlagen werde.“ Tiefensee erklärte, die Bahn sei mit erheblichen Bundesmitteln – insgesamt rund zehn Milliarden jährlich – gut für Fortschritte gerüstet. „Ich bin mit Rüdiger Grube, ohnehin einig: Aus Deutschland heraus werden wir stark. Das ist unser Pfund.“ Grube sei ein „Mann mit hoher Kompetenz und Fachwissen“, bescheinigte der Minister seinem Duzfreund. Neue Hoffnung auf verbesserten Service der Bahn machte der künftige Vorstandschef so: „Effizient, preiswert, mit der absolut höchsten Qualität, Pünktlichkeit, Sicherheit, Sauberkeit – das sind die Ziele, die die Bahn (...) auch künftig verkörpern muss.“ Daneben solle der Konzern auch weltweit weiter ausgebaut werden. (dpa)

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