Große Herausforderungen für den Schienengüterverkehr

14.01.2026 09:15 Uhr | Lesezeit: 4 min
VPI-Symposium_2026_Lawrenz
Der Schienengüterverkehr stehe vor großen Herausforderungen, sagte der VPI-Vorsitzende Malte Lawrenz
© Foto: VPI/Zielke

Zentrale Themen des Schienengüterverkehr standen beim VPI-Symposium in Hamburg auf dem Programm – von der verkehrspolitischen Lage bis hin zu operativen Herausforderungen.

„Der Schienengüterverkehr steht vor großen Herausforderungen – politisch, wirtschaftlich und im täglichen Betrieb“, sagte Malte Lawrenz, Vorsitzender des Verbands der Güterwagenhalter in Deutschland (VPI) zum Auftakt des 16. VPI-Symposiums am 13. Januar in Hamburg. Entscheidend sei jetzt, geschlossen zu handeln, sagte Lawrenz. Als grenzüberschreitender Verkehrsträger müsse die Branche „Lösungen immer im europäischen Kontext entwickeln“, so Lawrenz weiter. „Das gilt für die Infrastruktur ebenso wie für Regularien. Gemeinsames Handeln ist Voraussetzung, um den Sektor nachhaltig zu stärken und seine Leistungsfähigkeit zu sichern.“

Strukturelle Aufgaben für den Schienengüterverkehr

Am VPI-Symposium nahmen rund 250 Besucher aus Politik, Wirtschaft teil. Am Vorabend des Symposiums kamen rund 450 Gäste zum traditionellen Neujahrsempfang im Panoramadeck des Emporio Tower in Hamburg zusammen. In Fachvorträgen beleuchteten Branchenexperten zentrale Themen, die den Schienengüterverkehr aktuell beschäftigen – von der verkehrspolitischen Lage über europäische Regulierung bis hin zu operativen Herausforderungen und technologischen Innovationen. Einen Blick auf die aktuelle verkehrspolitische Lage warf dabei Stefan Jurisch vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Er zeigte auf, vor welchen strukturellen Aufgaben der Schienengüterverkehr steht und welche politischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um den Sektor zukunftsfähig aufzustellen.

Die Digitale Automatische Kupplung

Auch die Digitale Automatische Kupplung (DAK) stand auf dem Programm des Symposiums. Fabian Wartzek (Deutsche Bahn) und Felix Holtmann (WLE) berichteten über den Einsatz der DAK im Projekt DAC4EU und über Erkenntnisse aus dem operativen Betrieb. Einblicke in die EU-Pilotzüge des Projekts PioDAC gaben Armin Günter (DB Cargo) und Heiko Radke (VERS), die insbesondere auf die Bedeutung von Maintenance Monitoring und betrieblicher Erprobung eingingen. Ergänzend stellte Jörg Stephan vom Bundesverkehrsministerium die aktuellen Förderrichtlinien des Bundes zur Einführung der DAK vor. Die Beiträge machten deutlich: Tests im realen Betrieb sind entscheidend für eine spätere flächendeckende Einführung.

VPI-Symposium_Teilnehmer
Rund 250 Besucher aus Politik, Wirtschaft waren zum VPI-Symposium nach Hamburg gekommen
© Foto: VPI/Zielke

Herausforderungen während der Korridorsanierungen

Den Fokus auf das operative Geschäft legte Jan Elfenhorst (EP Cargo) in seinem Vortrag zu den täglichen Herausforderungen der Eisenbahnverkehrsunternehmen während der laufenden Korridorsanierungen. Er zeigte auf, wie stark Bau- und Sanierungsmaßnahmen den Betrieb beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf Qualität, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit hat. Der Vertrag für die Verwendung von Güterwagen (AVV) war das Thema im Vortrag von Karl-Heinz Fehr (VPI), Rainer Freise und Christian Kühnast (DB Cargo). Sie beleuchteten den AVV als Basis der Zusammenarbeit zwischen Eisenbahnverkehrsunternehmen und Wagenhaltern. Im Mittelpunkt standen dabei die jüngsten Änderungen und die Frage, wie der AVV auch künftig eine tragfähige Grundlage für eine verlässliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit bleiben kann.

Die europäische Sicherheits- und Regulierungspolitik

UIP-Präsident Johann Feindert setzte sich in seinem Vortrag zudem kritisch mit nationalen Sonderwegen in der europäischen Sicherheits- und Regulierungspolitik auseinander. Vor dem Hintergrund der vom Schweizer Bundesamt für Verkehr (BAV) 2025 verkündeten nationalen Maßnahmen zur Revision von Radsätzen machte er deutlich, dass Sicherheit im Schienengüterverkehr nur europäisch gedacht und umgesetzt werden kann. Als zentrale Grundlage für den weiteren Umgang mit der Thematik verwies Feindert auf den kurz vor Jahresende veröffentlichten Abschlussbericht der Taskforce des Joint Network Secretariat (JNS). Die dort vorgeschlagenen harmonisierten Risikokontrollmaßnahmen seien aus Sicht der Wagenhalter der geeignete europäische Referenzrahmen. Entscheidend sei nun nicht die Einführung zusätzlicher Regeln, sondern die konsequente und einheitliche Anwendung der bestehenden europäischen Vorgaben durch alle Beteiligten.


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