Flying J in Europa: Pläne für eigenes Lkw-Hof-Netzwerk gestoppt

02.04.2009 14:05 Uhr
Lkw A7 Ausfahrt
Was aus den Plänen für einen LKW-Hof auf der A7 bei Evendorf wird, ist bislang noch offen.
© Foto: Arndt

US-Konzern verhält sich standortbezogen unterschiedlich

Hamburg. Der US-Mischkonzern Flying J steht offensichtlich vor einer grundlegenden Neuorientierung bei seinen Plänen, in Europa ein Netzwerk von Lkw-Höfen mit direktem Autobahnanschluss aufzubauen. Jörg Möller (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Knüllwald an der Autobahn A7 (Abfahrt: Homberg/Efze), bestätigte der VerkehrsRundschau, dass die in seiner Kommune geplante Anlage vom Tisch ist. „Die Amerikaner haben abgesagt“, sagte Möller wörtlich. Ursprünglich hatte sich der US-Konzern, der in Nordamerika rund 180 großflächige Lkw-Höfe betreibt, für ein zehn Hektar großes Areal im „Interkommunalen Gewerbegebiet Knüllwald“ interessiert. Es umfasst gut 40 Hektar und sieht einen breiten Branchenmix vor, zu dem auch Logistikaktivitäten im weitesten Sinne des Wortes gehören. Die ersten Kontakte gehen auf das Jahr 2007 zurück. Möller bedauerte die Entscheidung des US-Unternehmens, da man diesen Lkw-Hof „schon als Leuchtturmprojekt für die Region“ angesehen hatte. Bis zu 100 neue Arbeitsplätze sollten entstehen. Das Vorhaben sei in der Bevölkerung auf breite Zustimmung gestoßen. Zu einem konkreten Grundstückskauf sei es dann aber nicht gekommen, nachdem die Finanzmarktkrise immer deutlicher zutage trat. Flying J, das in den USA eine große Erdölpipeline bauen will, geriet in wirtschaftliche Schieflage und beantragte Gläubigerschutz nach dem so genannten „Chapter XI“. Möller: „Als Gemeinde stehen wir weiter bereit, sollte sich Flying J doch für ein Engagement entschließen.“ Rund 250 Km nördlich, in Evendorf, ebenfalls direkt an der A7, hatte der US-Konzern einen weiteren Lkw-Hof mit rund 300 Lkw-Stellplätzen geplant. Von ihm aus sollte das Startzeichen für den Aufbau des EU-weiten Netzwerkes ausgehen. In der niedersächsischen Gemeinde hatte Flying J ein elf Hektar großes Grundstück erworben und plante eine Gesamtinvestition von rund 13 Millionen Euro. Mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Harburg (WLH), zu der die Gemeinde gehört, hatte das US-Unternehmen einen Kaufvertrag geschlossen. WLH-Geschäftsführer Wilfried Seyer hat derzeit keine Informationen, dass Flying J den Plan vollständig aufgegeben hat. Er widersprach damit einem Bericht in der Tageszeitung „Harburger Rundschau“ vom Donnerstag. „Das Vorhaben ist nicht geplatzt“, sagte Seyer wörtlich. Sehr wohl habe der Konzern seine ehrgeizigen Europa-Pläne, die den Aufbau eines eigenen Lkw-Hof-Netzwerkes vorsahen, „derzeit auf Eis gelegt“. Der WLH-Chef betonte, dass der mit dem US-Konzern geschlossene Vertrag weiterhin Gültigkeit habe. „Wir haben unser Geld bekommen“, ergänzte Seyer. Seit dem Sommer 2008 liegt ein rechtskräftiger B-Plan der Gemeinde vor Seyer sagte darüber hinaus, dass auch für den Fall, dass die Amerikaner doch ihr Vorhaben in Evendorf aufgeben wollten, kein Vakuum entstehen würde. „Ich kann Ihnen nur soviel sagen, dass es für dieses Gebiet bereits verschiedene Interessenten gibt, die sofort einspringen würden“, ergänzte der WLH-Chef. (eha)

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