Berlin. Trotz der wirtschaftlichen und vor allem Verkehrssicherheitsvorteile haben Fahrerassistenzsysteme keine Lobby und bleiben für viele nur eine Option von Vielen auf der Bestellliste. Der Motorpresse Club lud deshalb zu den 1. Verkehrssicherheitstagen 2008 nach Berlin ein, wo Experten die Vorzüge und das Potenzial der Helferlein aufzeigten. „Glücklicherweise gerät ein Fahrer statistisch gesehen nur alle 300.000 Kilometer selbst in einen Unfall“, erklärte Hans Peter Krüger vom Zentrum für Verkehrswissenschaften der Universität Würzburg. Im Ernstfall verhindern in erster Linie der Sicherheitsgurt und das Elektronisches Stabilitätsprogramm ESP Schlimmeres. Deshalb fordern die Experten eine ESP-Pflicht. „ Ein europaweit serienmäßiges ESP würde jährlich 4000 Menschen retten“, machte Gunter Zimmermeyer, Leiter External Affairs bei Robert Bosch deutlich. Aber auch die bereits weit entwickelten Systeme wie der Abstandswarner (ACC) oder der Spurhalteassistent (LGA) können gerade im LKW-Bereich zahlreiche Unfälle verhindern. So sind laut dem Leiter der Unfallforschung AZT Automotive GmbH, Johann Gwehenberger mit dem ACC 20 Prozent der schweren LKW-Unfälle auf der Autobahn – bis zu 71 Prozent bei abstandsrelevanten Unfällen – vermeidbar. Mit dem LGA sind es vier Prozent aller schweren LKW-Unfälle (bis zu 49 Prozent bei Unfällen nach dem Verlassen der Fahrspur). Die Grenze für den Eingriff der technischen Helfer sieht nicht nur Frank Albrecht, Regierungsdirektor beim Bundesverkehrsministerium in der Beherrschbarkeit des Fahrzeugs. So erklärte Hans Peter Krüger, dass „solange die technischen Systeme fehlerhaft reagieren können, bleibt das autonome Fahren eine Vision“. Um nach einem Unfall und dem Eingriff der Assistenzsysteme auch die rechtlichen Haftungsfragen klären zu können, wäre laut Klaus Peter Röskes, Vorstandsvorsitzender der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen ein Fahrtenschreiber, der lediglich das Geschehen 30 Sekunden vor- und nach dem Unfall aufzeichnet, eine Überlegung wert. Pessimistisch zeigte sich Peter Knoll von der Universität Karlsruhe. Er glaubt nicht, dass das Ziel der EU, bis 2010 die Anzahl der Verkehrstoten zu halbieren, noch zu erreichen ist. Allein Deutschland hinke hier hinterher und wird den dafür notwendigen Rückgang frühestens 2015 erreichen, rechnet der Experte vor. (rs)
Fahrerassistenzsystemen fehlt die Lobby
Verkehrssicherheitstage in Berlin: Experten fordern Pflicht zum Einbau von Stabilitätsprogrammen, Abstandswarner und Spurhalteassistenten