Bremen. Nach drastischen Umsatzeinbrüchen von bis zu 40 Prozent im vergangenen Jahr leiden die Betreiber von Fährdiensten in Nord- und Ostsee weiterhin unter niedrigen Frachtpreisen und hohen Kostendruck. Leichte Mengenzuwächse im ersten Quartal lassen die Reeder jedoch wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken. Das war der Tenor einer Diskussionsrunde mit Vertretern wichtiger Fährreedereien und im RoRo-Geschäft tätiger Logistikdienstleister im Rahmen der dreitägigen RoRo-Konferenz. Die Veranstaltung wurde gestern in Bremen eröffnet.
„Wir bewegen uns bei den Mengen auf dem Niveau von 2004", erklärte Hanns Conzen, Managing Director der Reederei TT Line, die im Skandinavienverkehr zwischen Deutschland und Schweden tätig ist. Derzeit bewegten sich die Frachtmengen wieder leicht nach oben. Bo Severed, Managing Director des Schiffsvercharterers Stena RoRo, der einen Großteil der Schiffe für das Schwesterunternehmen Stena Line bereit stellt, beklagt für 2009 einen Umsatzrückgang von 40 Prozent.
Melanie Moore, die bei Wallenius Wilhelmsen Logistics für Umweltfragen zuständig ist, bezifferte den Tonnagerückgang für 2009 auf minus 25 Prozent. Scandlines Frachtchef, Soren Poulsgaard Jensen, vermeldete für 2009 ebenfalls einen Frachtrückgang von über 18 Prozent. Derzeit stiegen die Mengen in der Nordsee leicht an.
Für das Baltikum, das traditionell durch starke Schwankungen im Mengenaufkommen geprägt ist, ließen sich kaum verlässliche Prognosen abgeben. „Die Entwicklung im Ostseeraum für 2010 ist ein einziges Fragezeichen", pflichtete ihm Heikki Tapionlinna, Managing Director DFDS Lisco, bei. Die Baltischen Staaten und Russland waren von der Finanz- und Wirtschaftskrise besonders stark betroffen. Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass der RoRo-Anbietermarkt von einer stärkeren Konsolidierung profitieren würde weil Skaleneffekte zum Tragen kämen. Aufgrund der rigiden EU-Wettbewerbsregeln sei dies aber in vielen Bereich nicht möglich. (diwi)