Die EU und China stehen vor weiteren Gesprächen über ihre Handelsbeziehungen. Während Brüssel auf einen Abbau des Handelsungleichgewichts drängt, fordert die Deutsche Handelskammer in China einen ausgewogenen Ansatz.
Sie mahnt vor den EU-China-Gesprächen zu Dialog und gezielten Maßnahmen statt pauschaler Zölle. Die Kammer verweist auf die Chancen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und warnt vor den Folgen einer Eskalation des Handelsstreits.
EU-China-Gespräche in Peking: Handelsungleichgewicht im Fokus
Vor der China-Reise von EU-Handelskommissar Maros Sefcovic plädiert die Deutsche Handelskammer in China für Dialog und gezielte Maßnahmen im Handelsstreit. „Entscheidend ist, dass China in den Dialogen neben bestehenden Herausforderungen auch als Partner berücksichtigt wird“, erklärte Oliver Oehms, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Kammer in Nordchina, laut einer Mitteilung.
Sefcovic soll sich am Donnerstag, 8. Oktober und Freitag, 9.Oktober, in Peking für Gespräche mit Chinas Handelsminister Wang Wentao treffen. Die EU dringt auf einen Abbau des Ungleichgewichts im Handel mit China. Sie kauft deutlich mehr Waren aus der Volksrepublik, als sie dorthin verkauft. Peking weist die Kritik an seinen Handelsüberschüssen und Überkapazitäten als protektionistisch zurück.
Handelskammer verweist auf Chancen für Unternehmen
Neben den Streitpunkten verweist die Handelskammer im Vorfeld des Gesprächs auch auf die wirtschaftlichen Vorteile der Zusammenarbeit mit China. Deutsche Unternehmen entwickelten in China zunehmend Wissen, das auch den deutschen Konzernzentralen zugutekomme und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken könne, so Oehms. Die Wirtschaftspolitik solle diesen Austausch fördern, wo er beiden Seiten nütze.
Kammer setzt auf differenzierte Handelsinstrumente
Er schlug zugleich vor, nicht nach dem Gießkannenprinzip vorzugehen: Die EU solle ihre Maßnahmen auf die Probleme einzelner Branchen zuschneiden, sagte Oehms. „Wir plädieren deshalb für EU-Initiativen, die Nutzen und Risiken abwägen und auf gezielte, sektorspezifische Instrumente setzen, anstatt pauschale Zölle oder allgemeine Vorgaben zu erlassen.“
Mehrheit der Firmen erwartet bei einer Eskalation Auswirkungen auf das China-Geschäft
Wie groß die Sorge vor einer weiteren Verschärfung des Konflikts ist, zeigt eine aktuelle Geschäftsklimaumfrage der Handelskammer. Anlässlich der geplanten Reise veröffentlichte sie vorab ein Ergebnis ihrer diesjährigen Geschäftsklimaumfrage. Die Unternehmen sollten einschätzen, wie stark ihr Geschäft betroffen wäre, wenn die laufenden Handelsverhandlungen zwischen der EU und China keine greifbaren Ergebnisse brächten und eine mit einem Handelskonflikt vergleichbare Lage entstünde.
Für diesen Fall erwarten 33 Prozent erhebliche und 47 Prozent moderate Auswirkungen auf ihr China-Geschäft. Insgesamt rechnen damit 80 Prozent mit Folgen. 14 Prozent erwarten keinen Einfluss.