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„Ein Drittel der Brenner-Lkw hätte kürzere Routenalternative“

Bei einer Studie, vom Land Tirol in Auftrag gegeben, kam heraus, dass die Routen der Lkw durch das Land sich oft an Kraftstoffpreisen orientieren und an der kürzesten Strecke
© Foto: Günter Lenz/Image-Broker/picture-alliance

Bei einer Studie zum Lkw-Ausweichverkehr kam heraus: 33 Prozent nehmen 60 Kilometer und mehr in Kauf.


Datum:
17.01.2022
Autor:
Stefanie Schuhmacher
Lesezeit: 
5 min
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Tirol. Aufgrund eines Landtagsbeschlusses vom Oktober 2020 beauftragte Tirols Verkehrsreferentin Ingrid Felipe die Abteilung Mobilitätsplanung des Landes eine Studie auszuschreiben, in der untersucht wird, wie viel Lkw-Ausweichverkehr tatsächlich durch das Bundesland Tirol verkehrt.

Die Grundlagendaten für die Studie basieren auf den neuesten Zahlen der alle fünf Jahre alpenweit stattfindenden CAFT-Erhebung (Cross Alpine Freight Transport Study) aus dem Jahr 2019. Die CAFT-Umfragen umfassen unter anderem Straßenbefragungen von Lkw-Lenkern an den großen Straßenübergängen des gesamten Alpenbogens sowie Befragungen von Lkw-Lenker, welche die Rollende Landstraße (ROLA) in Anspruch nehmen.

Vorgang der Analyse

In der Analyse wurden acht Alpenübergänge in der Schweiz und Österreich untersucht, dabei wurden insbesondere die Brenner-, Tauern- und Gotthardverbindung einer Detailuntersuchung in Bezug auf Bestwege, Mehrwege und Umwege unterzogen. Zentral wurden in der Studie die Streckenlängen sowie die entstehenden Gesamtkosten untersucht. Hierzu wurden einerseits das Streckenkriterium unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Streckenprofile analysiert und andererseits aus Sicht der betriebswirtschaftlich agierenden Transporteure auch die Gesamtkosten, die sich aus Streckenlänge, Fahrzeit, Mautkosten und anderen Kostenfaktoren wie zum Beispiel der Treibstoffkosten ergeben, betrachtet.

„Nur ein kleiner Teil der den Brenner passierenden Lkw ist auch tatsächlich auf der Bestroute unterwegs. Viele Lkw, die den Brenner nutzen, fahren zusätzliche Mehrwege beziehunsgweise Umwege, weil es für die Frächter wirtschaftlicher ist“, liest LH Günther Platter aus den Ergebnissen der Studie heraus.

Verkehrsreferentin Felipe kommentiert die Analyse wie folgt: „Es zeigt sich, dass im Jahr 2019 insgesamt 33 Prozent und somit jährlich über 880.000 Lkw eine um mehr als 60 Kilometer kürzere Alternative über einen anderen alpenquerenden Pass gehabt hätten und damit als Umwegverkehr einzustufen sind. Auf keinem anderen der untersuchten Alpenpässe ist dieser Wert derartig hoch. Nur 40 Prozent der Transit-Lkw über den Brenner sind bei diesem Kriterium am Bestweg unterwegs, am Gotthardpass in der Schweiz sind dies fast 97 Prozent des transitierenden Schwerverkehrs. Rund ein Fünftel aller Transit-Lkw am Brennerkorridor hätte gar eine um mehr als 120 Kilometer kürzere Alternativroute gehabt.“

Routenwahl richtet sich oft nach Treibstoffpreisen

Nachdem die österreichischen Alpenübergänge bei einer Gesamtkostenbetrachtung einen vergleichsweise geringeren Anteil an Umwegen verzeichnen, bestätigen die Studienergebnisse, dass die von den Transportunternehmen genutzte Route vorwiegend aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen gewählt wird und dabei die Kostenfaktoren Straßenmaut und Treibstoffpreise eine wesentliche Rolle spielen: „Die Studie kommt zweifelsfrei zum Ergebnis, dass sich die Routenwahl der Transporteure am besten anhand der Gesamtkosten nachvollziehen lässt und nicht über die zu fahrende Streckenlänge. Ein direkter Zusammenhang mit den wesentlich günstigeren Mauttarifen und Treibstoffpreisen entlang des Brennerkorridors lässt sich daraus ebenso ableiten wie die dringende Notwendigkeit durch die Abschaffung des Dieselprivilegs und die Erhöhung der Mautzuschläge am Brennerkorridor Kostenwahrheit auf der Straße herzustellen. Daran werden wir, bestätigt durch die vorliegenden Erkenntnisse der Studie, auch unbeirrt weiterarbeiten,“ so Verkehrslandesrätin Felipe.

„Das Thema Transit kann nur überregional auf europäischer Ebene gelöst werden“, ist auch LH Platter überzeugt. „Es braucht Kostenwahrheit auf der gesamten hochsensiblen Strecke von München bis Verona. Der Brennerkorridor zieht mehr Verkehr an als alle Schweizer Alpenübergänge zusammen und muss entlastet werden.“ LH Platter verweist in diesem Zusammenhang auch auf das Regierungsprogramm der österreichischen Bundesregierung. Darin sind der Einsatz auf EU-Ebene für die Ermöglichung wirksamer Maßnahmen für weniger Transitfahrten bzw. zu deren Verlagerung auf die Bahn, wie zum Beispiel die Alpentransitbörse, verankert. (ste)

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