Brüssel. Die Bundesregierung pocht auf eine deutliche Verbesserung des Tierschutzes bei Viehtransporten in Europa. In Vertretung von Verbraucherschutzministerin Renate Künast forderte ihr Staatssekretär Matthias Berninger am Montag in Brüssel gemeinsam mit anderen Ländern der Gemeinschaft eine Höchstdauer von acht Stunden für Tiertransporte innerhalb der Europäischen Union sowie schärfere Kontrollen und dafür notwendige einheitliche Transportpapiere. "Jeder Kilometer, der den Tieren erspart werden kann, ist ein guter Kilometer", sagte Berninger bei einer öffentlichen Aussprache der EU-Agrarminister zu dem Thema. Jährlich werden Millionen Tiere bei Viehtransporten oftmals unter unsäglichen Bedingungen bis zu 100 Stunden kreuz und quer durch die Europäische Union und in Drittstaaten wie Ägypten oder Libanon gefahren. Auch EU-Verbraucherschutzkommissar David Byrne prangerte die derzeitige Situation als völlig unzureichend an. Er will dem EU-Agrarrat bis Ende des Jahres Vorschläge zur Verbesserung der Lage vorlegen, die die Überwachung von Speditionsfirmen ebenso vorsehen soll wie eine bessere Ausbildung der Fahrer und Tierhändler sowie Lastwagen, in denen das Wohlergehen der Tiere etwa durch besondere Belüftungssysteme sichergestellt werden soll. "Es ist unwürdig, dass Menschen Tiere quälen. Dadurch verroht auch der Mensch", sagte die schwedische Landwirtschaftsministerin Margareta Winberg. Bei der Aussprache der Ministerrunde in Brüssel wurde aber auch deutlich, dass es derzeit keine notwendige Mehrheit unter den 15 Mitgliedsländern für eine Höchsttransportdauer von acht Stunden gibt. Aus Wettbewerbsgründen lehnen dies die südlichen Länder wie Griechenland, Italien, Spanien oder Frankreich ab, während die nördlichen EU-Staaten und auch das EU-Parlament dies befürworten. Neben dem Tierschutz führen sie außerdem ins Feld, dass eine Reduzierung langer Transporte auch das Risiko der Verbreitung von Tierseuchen verringere. Künast setzt sich seit langem bei Treffen der EU-Agrarminister für eine Beschränkung der Schlachtvieh-Transportzeiten auf maximal vier Stunden ein, wie es in Deutschland Vorschrift ist. Bislang sind acht Stunden erlaubt, wobei die Fahrt jedoch nach einer Pause fortgesetzt und so beliebig verlängert werden kann. (vr/dpa)
Deutschland will besseren Tierschutz bei EU-Viehtransporten
Eine Einigung auf EU-Ebene ist jedoch nicht in Sicht