Die niedersächsische Landesregierung favorisiert Wilhelmshaven als möglichen Standort für einen künftigen deutschen Tiefwasserhafen und verweist damit den Alternativstandort Cuxhaven auf den zweiten Rang. Ausschlaggebend für die Entscheidung, die Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) am Freitagmittag in Hannover vor Journalisten verkündete, waren die Empfehlungen von zwei Gutachten. Sie wurden durch die planco Consulting GmbH (Essen) und das Beratungsunternehmen Roland Berger & Partner (München) im Auftrag Niedersachsens, Hamburgs und Bremens angefertigt.
Trotz der insgesamt günstigeren Baukosten in Cuxhaven böte Wilhelmshaven die "deutlich günstigere Perspektive", das heißt Ausbaureserven bis ins Jahr 2050 hinein, meinte Gabriel. Es sei wichtig, dass mit dem heutigen Tag der Wettbewerb zwischen den beiden Alternativstandorten beendet sei. Mit einem Tiefwasserhafen an der deutschen Nordseeküste werde die Wettbewerbsfähigkeit der deutsche Seehäfen gegenüber Rotterdam nachhaltig gestärkt. Denn dass die Großcontainerschiffe kommen, stehe außer Frage. Auch unter Struktur- und Arbeitsmarktgesichtspunkten sei der Tiefwasserhafen etwas Herausragendes.
Gabriel mahnte aber auch an, dass sich die Privatwirtschaft zur Hälfte an den Infrastrukturkosten beteiligt. Das privatwirtschaftliche Engagement sei für ihn "der Praxistest für die heutige Entscheidung". Gabriel sagte, er wolle das Vorhaben im engen Schulterschluss mit Bremen und Hamburg realisieren. Vertiefende Gespräche mit den Regierungschef der Nachbarbundesländer würden bereits am 26.Oktober aufgenommen. Hocherfreut zeigte sich John Niemann, Präsident der Willemshavener Hafen-Wirtschaftsvereinigung (WHV). "Es ist eine Bestätigung unserer Erwartungen", sagte Niemann gegenüber der Verkehrs-Rundschau.
In einer ersten Stellungnahme bekräftigen die Hamburger Hafen- und Lagerhaus AG (HHLA) und die Rhenus Midgard AG & Co, die beide für Cuxhaven eintraten, dass der Elbmündungs-Hafen auch nach diesem Votum für sie "aus übergeordneter wirtschaftlicher Sicht der vorteilhaftere Standort ist". Beide "empfehlen im Interesse der Transparenz", dass die Gutachten "uneingeschränkt" öffentlich zugänglich gemacht werden.