Deutsche Schiffbauer kämpfen mit schwerer See

19.05.2009 15:58 Uhr
Wadan Yards
Deutsche Schiffbauindustrie beklagt gegenwärtig zahlreiche Stornierungen
© Foto: Wadan Yards

In Zeiten der Wirtschaftskrise stellen sich die Werften auf ein Schicksalsjahr ein

Hamburg. In den Chefetagen der deutschen Schiffbauindustrie klingeln die Alarmglocken. „2009 wird für die deutsche Schiffbauindustrie ein Schicksalsjahr. Zahlreiche Stornierungen und geringe Auftragseingänge reißen nicht nur Lücken in die Beschäftigungsplanungen der Unternehmen, sondern erschweren auch den bereits laufenden Prozess der notwendigen Umstellung der Produktpalette“, beschrieb Werner Lüken, Vorsitzer des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), am Dienstag auf der Mitgliederversammlung in Hamburg die Lage der deutschen Schiffbauer. Nachdem dieser Zweig der deutschen Volkswirtschaft für 2008 noch mit neuen Rekordwerten bei Umsatz und Auftragsbestand aufwarten kann, kennt die Erfolgskurve jetzt nur noch eine Richtung: Sie stürzt geradezu ab. Lüken zufolge habe sich „in den letzten sechs Monaten das Marktumfeld fundamental geändert“. Schneller und dramatischer als erwartet sei es im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftkrise „zu einem deutlichen Abschwung in der gesamten maritimen Wirtschaft“ gekommen. Seit Beginn der Finanzkrise seien „nicht nur das weltweite Transportaufkommen und die Charterraten eingebrochen“. Auch die weltweite Nachfrage nach Schiffen sei zwischen Oktober 2008 bis März 2009 weggeschmolzen, und zwar um 90 Prozent. „Wegen der restriktiven Geschäftspolitik der Banken haben Werften wie Besteller darüber hinaus erhebliche Schwierigkeiten, die für einen Schiffbauauftrag notwendigen finanziellen Mittel zu erhalten“, so Lüken weiter. Für 2008 ermittelte der VSM einen Branchenumsatz von rund 7,2 Milliarden Euro (plus 41 Prozent). Die Zulieferer kamen ihrerseits auf 13 Milliarden Euro. Die deutschen Seeschiffswerften lieferten 2008 insgesamt 84 Schiffe mit rund 1,3 Millionen gewichteter Bruttoraumzahl (CGT) im Wert von knapp 4,4 Milliarden Euro ab. „Sie erreichten damit das beste Jahresergebnis seit der Wiedervereinigung“, erklärte Küken. Im selben Zeitraum erhielten die deutschen Werften neue Aufträge für 46 Schiffe mit 0,6 Millionen CGT im Wert von 2,9 Milliarden Euro. Aufgrund rückläufiger Auftragsentwicklung und zahlreicher Stornierungen sank der Auftragsbestand deutscher Schiffbauer bis zum 31. Dezember 2008 auf 172 Einheiten mit 3,1 Millionen CGT im Wert von 13,3 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2009 mussten die Schiffbauer 19 Stornierungen im Wert von rund 940 Millionen Euro verzeichnen. Lüken: „In dieser Zeit konnte kein Auftrag neu hereingenommen werden.“ Viele deutsche Werften kämpfen um ihre Existenz. Dabei arbeitet die Zeit gegen sie. Zudem müssten sie miterleben, wie der Schiffbau in Fernost, allen voran in China und Südkorea, mit Milliarden-Dollar-Hilfe unterstützt werde. „Wichtigste Aufgabe ist nun die Generierung neuer Aufträge. Angesichts der hohen technologischen Kompetenz unserer Industrie sehen wir beim Bau umweltschonender Schiffe mit einer hohen Ressourcen- und Energieeffizienz große Zukunftschancen“, sagte Lüken. Statistisch gesehen hätten die deutschen Werften auf CGT-Basis zwar Arbeit für die nächsten zwei bis drei Jahre. „De facto verteilt sich dieser Auftragsbestand aber nur auf wenige Unternehmen. Viele Schiffbauunternehmen werden bereits in Kürze keine Vollauslastung mehr vorweisen können. Flächendeckende Kurzarbeit und gegebenenfalls Arbeitsplatzabbau werden die Folge sein“, meint Lüken. (eha)

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