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Deutsche Handelsschifffahrt: „Silberstreif“ ist am Horizont erkennbar

Einen Silberstreif macht der VDR für die deutsche Handelsschifffahrt aus 
© Foto: Eckhard-Herbert Arndt

Deutsche Reeder fordern noch wirksameren Schutz vor Piraten - 2011 wird zum Schlüsseljahr für das Maritime Bündnis


Datum:
03.12.2010
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Hamburg. Die deutschen Reedereien haben die härteste Schifffahrtskrise seit Jahrzehnten im Großen und Ganzen erfolgreich überstanden und dürfen wieder Hoffnung schöpfen. So sieht es jedenfalls der Verband Deutscher Reeder (VDR), der am Freitag in Hamburg seinen Jahresbericht vorlegte.

VDR-Präsident Michael Behrendt, im „Hauptberuf" Vorstandschef der Hapag-Lloyd AG, die 2010 das bislang beste Ergebnis ihrer Geschichte einfahren wird, erkennt „grundsätzlich einen Silberstreif am Horizont". Allerdings habe die Erholung der Schifffahrtsmärkte noch nicht alle Bereiche gleich tief durchdrungen. So stünden die in der Linienschifffahrt tätigen Reedereien inzwischen bereits wieder recht gut dar und könnten an die Zeit vor Ausbruch der Krise anknüpfen. Bei den Tramp-Reedern, die ihre Schiffe an die Linienschifffahrt vercharterten böte sich ein anderes Bild. Dieses Segment werde vornehmlich von mittelständischen, „familiengeprägten Unternehmen" bestimmt. Sie stellten zugleich das Rückgrat des Verbandes dar, betonte Behrendt. Als Beleg für ihre Kurstreue und die Entschlossenheit, auch in harten Zeiten an die Schifffahrt zu glauben, wertete Behrendt, dass diese Betriebe in der Krise „praktisch keine Arbeitsplätze" gestrichen hätten. An die Banken appellierte der VDR-Präsident, diese Unternehmen, ihre langjährige Kundschaft, auch über die noch verbleibende, aber klar absehbare Durststrecke mit ausreichend Liquidität zu begleiten. In spätestens zwei Jahren seien die Schiffs- Charterraten wieder auf einem Niveau aus den Vor-Krisen-Zeiten, so dass die Reedereien wieder ausreichend liquide seien.

Große Erwartungen knüpft der VDR an die Maritime Konferenz Ende Mai 2010 in Wilhelmshaven. Ihr Verlauf wird nach Überzeugung des Verbandes entscheidend dafür sein, wie zukunftsfähig das vor gut zehn Jahren besiegelte Maritime Bündnis sei. Berlin müsse klar sein, dass eine starke maritime Industrie für die Welt-Exportnation Nummer zwei von vitaler Bedeutung sei. Von dieser Branche hingen in Deutschland rund 400.000 Jobs direkt und indirekt ab. Behrendt kritisierte, dass die Bundesregierung die zum Ausgleich von Wettbewerbsnachteilen geschaffenen Schifffahrtsbeihilfen halbiert habe. Dadurch würden besonders die Unternehmen getroffen, „die die deutsche Flagge führen und junge Menschen an Bord ausbilden". Zuversichtlich zeigte sich Behrendt, dass seit 1999 geschaffene Tonnagesteuer weiterhin Bestand habe. Dieses sei ein Regime, das auch in vielen EU-Schifffahrtsnationen anzutreffen sei.

Mit dem Ende des 3.Quartals 2010 zählen zum Einflussbereich der deutschen Reeder exakt 3673 Schiffe mit zusammen 81,5 Millionen BRZ und damit rund fünf Prozent mehr als vor einem Jahr um diese Zeit. Zerstück der deutschen Handelsflotte ist und bleibt die Containerschifffahrt mit aktuell 1734 Frachtern, die es zusammen auf rund 4,5 Millionen TEU Stellplatzkapazität bringen (plus 3,7 Prozent mehr bezogen auf die Schiffsanzahl).

Piraten am Horn von Afrika bleiben Problem

Ein großes Sorgenthema bleibt für die deutschen Reeder die anhaltende Piraterie am Horn von Afrika. Längst seien die Piraten dazu übergegangen, ihre Überfälle immer weiter in den Indischen Ozean hineinzutragen. Für den Verband ist die Piraterie nichts anderes als ein Verbrechertum, das den Tod von Seeleuten „billigend in Kauf" nimmt. Den Piraten gehe es nicht „um unsere Schiffe oder die Ladung", sondern lediglich um erpresserischen Menschenraub, um auf diese Weise an hohe Lösegelder zu kommen. Zwar haben zahlreiche Reedereien inzwischen für das Passieren des kritischen Seegebietes Notfallkonzepte erarbeitet, allen voran das Zurückziehen und Verbarrikadieren in speziellen Schutzträumen an Bord, aus denen heraus das Schiff vollständig stillgelegt wird. Behrendt: „Doch solche Schutzräume allein lösen das Piraterieproblem nicht."

Die vor zwei Jahren gestartete EU-Antipiraterie-Operation „Atalanta" am Horn von Afrika zeige zwar erste, positive Wirkungen. Sie reicht aber aus Sicht des VDR immer noch nicht aus, um die Piraterie in diesem wichtigen Seegebiet wirksam zu unterbinden. Für VDR-Präsident Michael Behrendt ist es daher an der Zeit, Ergänzungsmaßnahmen zu beschließen. Dabei favorisiert der VDR die zeitweise Begleitung von in diesem Seegebiet potenziell besonders gefährdeten – in der Regel kleineren – Schiffen durch „hoheitliche" Schutzkräfte, zum Beispiel eine Kombination aus Bundespolizei und Spezialisten der Deutschen Marine. Behrendt verwies darauf, dass auch andere EU-Staaten solche Lösungen für ihre Reeder anböten. Am 24.Januar 2011 wird es in Berlin eine Art „Anti-Piraterie"-Gipfel geben, an dem neben dem Verband auch Spitzenvertreter verschiedener Minsterien teilnehmen werden. Der VDR hofft, dass hier Lösungen gefunden werden können. (eha) 

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