Paris. Der Konkurrenzkampf zwischen der deutschen und französischen Staatsbahn hat an Schärfe wieder zugenommen, nachdem DB in die Spitze der Frachttochter Euro Cargo Rail (ECR) einen bisherigen Top-Manager aus dem Gütertransportbereich der Franzosen berufen hat. Darüber berichtete „Les Echos“. Emmanuel Delachambre war bislang Generaldirektor der Fret-SNCF-Tochter VFLI und soll nun für das DB-Unternehmen offenbar als rechte Hand von ECR-Chef Alain Thauvette fungieren. Sein Weggang ist für Fret SNCF ein harter Schlag, denn die von ihm geleitete VFLI ist das Kernstück der neuen SNCF-Strategie im Frachtsektor. Nachdem der Versuch gescheitert war, mit den Bahngewerkschaften ein neues, flexibleres Arbeitsstatut für das Fahrpersonal auszuhandeln, hatte SNCF-Chef Guillaume Pepy auf eine andere Linie umgeschaltet und den Aufbau einer Reihe von Filialen auf Privatrechtsbasis favorisiert, von denen jede jeweils in einem spezifischen Marktsegment agieren soll. Die erste und bis dato einzige Filiale dieser Art ist VFLI. Laut „Les Echos“ dürften zwei weitere für die Bereiche Kombi-Express und Getreidetransporte vorgesehen sein. ECR hat darüberhinaus mit Veolia Cargo eine neue Pressuregroup mit Namen Afra (Association française du rail) gebildet, der demnächst auch Colas Rail beitreten könnte. Sie tritt in Konkurrenz zur schon bestehenden Interessenvertretung UTP. Didier Leandre, Afra-Vorstand und zugleich Leiter von Veolia Cargo, hält diese nicht für hinreichend schlagkräftig, da ihr auch die Staatsbahn SNCF selbst angehöre. Erst letzte Woche hatte deren Chef in einem Schreiben an den deutschen Konkurrenten zugeben müssen, für seinen Vorwurf, DB habe zum Zwecke von Lokführerabwerbungen das SNCF-Intranet angezapft, gebe es keinerlei Belege. Zu einer Entschuldigung hatte sich Guillaume Pepy jedoch nicht durchringen können. (jb)
DB wirbt Fret SNCF-Topmanager ab
Für neuen Zündstoff zwischen SNCF und Deutscher Bahn ist gesorgt