Der Verkehrssektor in Deutschland hat erneut deutlich mehr CO₂ ausgestoßen als gesetzlich zulässig. Das geht aus aktuellen Zahlen des Umweltbundesamts hervor, die am Wochenende veröffentlicht wurden. Trotz verhaltener gesamtwirtschaftlicher Entwicklung erreichte der Bereich Verkehr 2025 höhere Emissionen als im Vorjahr und vergrößerte damit die Abweichung von den Klimazielen.
Nach Einschätzung der Allianz pro Schiene zeigt die Entwicklung, wie weit Anspruch und Realität beim Klimaschutz im Verkehr auseinanderliegen. Die Organisation fordert von der Bundesregierung, im angekündigten Klimaschutzprogramm klare Prioritäten für klimafreundliche Mobilität zu setzen.
Emissionen steigen – Klimaziele rücken in weitere Ferne
Laut Umweltbundesamt verursachte der Verkehrssektor im vergangenen Jahr 146,3 Millionen Tonnen CO₂‑Äquivalente. Damit überschreitet der Bereich die zulässige Emissionsmenge um rund 29 Millionen Tonnen.
Für Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, sind die Zahlen ein deutliches Warnsignal: „Seit Jahren beobachten wir, dass die Klimaziele im Verkehrssektor und die Realität wie zwei Kontinentalplatten immer weiter auseinanderdriften. Wenn die Bundesregierung dieser Entwicklung nicht endlich entschlossen entgegentritt, droht uns klimapolitisch ein Erdbeben.“
Branche bleibt Problemfeld im Klimaschutz
Trotz einzelner Fortschritte in Teilbereichen ist der Verkehrssektor weiterhin der Bereich mit der größten Zielverfehlung. Flege erklärt: „Der Verkehrssektor bleibt damit weiterhin das Sorgenkind beim CO₂-Ausstoß. Deshalb muss das angekündigte Klimaschutzprogramm der Bundesregierung hier entschlossen gegensteuern und die Alternativen zur fossilen Mobilität gezielt stärken.“
Mehr Tempo bei Schiene, ÖPNV und Kapazitätsausbau gefordert
Für mehr Klimaschutz im Verkehr sei es laut Allianz pro Schiene notwendig, die Rahmenbedingungen für klimafreundliche Verkehrsträger grundlegend zu verbessern. Im Fokus stehen eine leistungsfähigere Schieneninfrastruktur, verlässliche Finanzierungszusagen und eine Reform der Trassenpreise.
Flege betont: „Priorität für die Schiene bedeutet, dass die Bundesregierung einen verlässlichen Fahrplan für den Kapazitätsausbau vorlegt mit einer verbindlichen, überjährigen Finanzierung. Dazu gehört auch, die angekündigte Trassenpreisreform endlich umzusetzen, um die Nutzer der Schiene zu entlasten und gerade auch mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern und ihn nicht auf die Straße zurückzudrängen.“
Darüber hinaus sieht die Allianz pro Schiene Potenzial in der Weiterentwicklung der THG‑Quote: „Außerdem sollte die aktuelle Gesetzesnovelle zur Weiterentwicklung der THG-Quote genutzt werden, um Strom zur Verwendung in Schienenfahrzeugen als sogenannte Erfüllungsoption aufzunehmen. So würde der elektrische Schienenverkehr im Wettbewerb gestärkt – und dies wäre nicht einmal haushaltsrelevant.“
Aufgeschobene Investitionen erhöhen langfristige Kosten
Mit Blick auf zukünftige Klimaschutzpflichten warnt Flege vor den Folgen, notwendige Maßnahmen weiter hinauszuschieben: „Allen muss klar sein, dass die Zielverfehlungen im Verkehrssektor für die gesamte Gesellschaft immer teurer werden. Wer heute an Zukunftsinvestitionen spart, zahlt morgen richtig drauf. Die Bundesregierung muss jetzt zeigen, dass sie es ernst meint mit dem Klimaschutz.“