Brüssel. Fragen zur Sicherheit des Gütertransports, zum Risikomanagement und zu globalen Lösungen mit außereuropäischen Partnern standen im Zentrum der Jahreskonferenz des europäischen Dachverbands der Spediteure Clecat gestern in Brüssel. „Die Lieferkette im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Effektivität“ hatte Clecat die Veranstaltung genannt. Ihr Fazit: Es hat sich etwas verbessert, doch es gibt noch viel zu tun.
Lob erntete das Abkommen zwischen der EU und den USA vom vergangenen Mai, in dem die jeweils als „vertrauenswürdige Händler“ zertifizierten Unternehmen gegenseitig anerkannt werden. Davon profitieren europäische Unternehmen, die als „zugelassener Wirtschaftsbeteiligter“ (AEO, Authorised Economic Operator) zertifiziert sind. Zeit und Geld würden dadurch gespart. Kanada, so verlautete es auf der Konferenz, wolle sich dem Abkommen bald anschließen. „Es fehlt aber immer noch ein weltweit gültiges Sicherheitskonzept“, wies Kester Meijer als Vertreter des Dachverbands der europäischen Fluggesellschaften AEA auf den Mangel an harmonisierten Sicherheitsregeln im globalen Kontext hin.
Schon in der EU gibt es das nicht. Viele Teilnehmer bemängelten die kaum aufeinander abgestimmten Sicherheitssysteme in Europa, die unterschiedlichen Definitionen von dem, was als gefährlich angesehen wird, den mangelnden Datenaustausch zwischen den einzelnen Ländern. Dabei müsste dringend etwas getan werden, um die Sicherheit der Transporte und Lieferketten zu erhöhen. Auf acht Milliarden Euro wird der Schaden berechnet, der durch Kriminalität beim Gütertransport jährlich in Europa entsteht. Doch das seien nur die offiziellen Zahlen. Die Dunkelziffer liege wahrscheinlich mindestens doppelt so hoch.
Besonders betroffen ist zurzeit der Straßengüterverkehr von Kriminalität. „Waren früher die Warenlager das größte Problem und haben wir das durch Überwachungssysteme eindämmen können, so hängen heute 70 Prozent der Straftaten mit dem LKW-Transport zusammen“, sagte Paul Linders von Ceva-Logistics.
Robert Missen von der Generaldirektion Mobilität und Verkehr der EU-Kommission verwies auf die Gründung einer Expertengruppe, die sich ab 2013 mit der Verbesserung der Sicherheit im Straßengütertransport beschäftigen wird. „Wir selbst haben Felder ausfindig gemacht, in denen es Handlungsbedarf gibt, freuen uns aber auf jeden Hinweis der Branche“, forderte Missen die Anwesenden zum Dialog mit der EU-Kommission auf.
Einig waren sich alle Teilnehmer darin, dass es für den Güterverkehr kein einziges Sicherheitssystem geben dürfe, das für alle Transporte gleich gelte. Den unterschiedlichen Gütern und Transportträgern müsse immer Rechnung getragen werden. (kw)