Bahnchef Hartmut Mehdorn hat die seiner Meinung nach einseitige Marktöffnung des deutschen Schienenverkehrs kritisiert. "Während wir hier liberalisieren wie kein Land sonst, schotten sich andere nach wie vor ab", schreibt der Vorstandsvorsitzende in der Mitarbeiterzeitung "Bahnzeit". "Da muss ich mich manchmal fragen, ob die deutschen Eisenbahninteressen in Brüssel politisch immer angemessen vertreten worden sind." Sollten die Politiker die Bedingungen in Europa nicht angleichen, könnte die Deutsche Bahn AG von den stark expandierenden Eisenbahnunternehmen aus anderen Ländern überrollt werden, warnte der Bahnchef, der derzeit in einer Expertengruppe über die Zukunft des Schienennetzes in Deutschland berät. "Hier auf unserem Netz fahren bereits Großkonzerne aus Ländern, die selber jegliche Konkurrenz auf ihren Netzen bedingungslos unterbinden", kritisierte er. Unter anderem ist die französische Staatsbahn über Töchter in Deutschland vertreten. Mit mehr als 150 privaten Wettbewerbern im Güter- und Personenverkehr ist Deutschland in der EU bereits verhältnismäßig weit geöffnet. Die Unternehmen halten jedoch bisher nur einen Marktanteil von weniger als fünf Prozent. Um den Wettbewerb anzukurbeln, wird deshalb überlegt, dem Bahnkonzern das Schienennetz zu entziehen. Bis Herbst soll die Expertengruppe Modelle für eine Unabhängigkeit von Schienennetz und Bahnbetrieb erarbeiten. (vr/dpa)
Bahnchef Mehdorn fordert Marktöffnung in ganz Europa
Warnung vor expandierenden ausländischen Bahnunternehmen