Effizienter, nachhaltiger, servicefreundlicher: Neue Transportkältemaschine von Schmitz Cargobull

30.01.2026 13:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
Schmitz Cargobull SCU dc90
Im Kältekreislauf der S.CU dc90 zirkuliert nun das synthetische Low-GWP-Kältemittel R454A. Es soll der neue Standard bei Schmitz Cargobull werden
© Foto: Schmitz Cargobull

Schmitz Cargobull hat die Stirnwand-Transportkältemaschine S.CU dc90 vorgestellt und löst damit das Modell dc85 ab. Erstmals kommt darin das umweltverträglichere synthetische Kältemittel R454A zum Einsatz. Zudem soll die dieselangetrieben Anlage den Laderaum schneller abkühlen und den Kraftstoffverbrauch senken. Optional ist ein rein elektrischer Antrieb möglich.

Mehr Effizienz und optimierte Nachhaltigkeit: Das will Schmitz Cargobull mit der Transportkältemaschine S.CU dc90 ermöglichen. Mit der neu entwickelten Anlage löst der Fahrzeugbauer das Modell S.CU dc85 ab und führt als erster der großen Hersteller von Kühlaggregaten eine Transportkältemaschine mit einem sogenannten Low-GWP-Kältemittel ein. Das neue Kältemittel R454A ersetzt R452A, das bislang im Segment vielfach verwendet wird, aber ein sehr hohes Treibhausgaspotenzial besitzt. Das neue Kältemittel weist ein GWP von 239 auf, während R452A ein GWP von 2139 besitzt (GWP: Global Warming Potenzial). Das heißt: R452A wirkt sich 2139-mal so stark auf das Klima aus wie CO2, während R454A nur 239-mal so stark wirkt (minus 89 Prozent).

Kältemittel mit 89 Prozent geringerem Treibhausgaspotenzial

Ebenso wie R452A ist auch R454A ist ein synthetisch erzeugtes fluoriertes Gas (F-Gas). Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus 35 Prozent R32 und 65 Prozent R1234yf. „Das neue Kältemittel bietet aus unserer Sicht den besten Kompromiss aus Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit“, erklärt Dr. Norbert Flacke, Geschäftsführer von Cargobull Cool. Ein weiterer Vorteil des neues Kältemittels: Es besitzt ähnliche thermodynamische Eigenschaften wie R452A. Dennoch lässt es sich nicht „Drop-in“ nutzen, also ersatzweise einfüllen, sondern erfordert Umbauten an der Transportkälteanlage und eine angepasste Regelung.

Europäische Umweltregulierungen machen den Umstieg auf ein Low-GWP-Kältemittel notwendig. Durch die Verschärfung der F-Gas-Verordnung werden F-Gase mit hohem GWP im Straßengüterverkehr zwar nicht verboten, aber im Zuge des sogenannten Phase-outs, eine schrittweise Verringerung der Quoten für Kältemittel mit hohem GWP, verringern sich die am Markt verfügbaren Mengen dieser Kältemittel. Das wirkt sich jetzt schon auf die Preise beispielsweise von R452A aus und kann in Zukunft die Betriebssicherheit von Transportkälteanlagen gefährden, wenn im Servicefall keine ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen. Servicebetriebe und Schmitz Cargobull berichten bereits heute von einem Preis für R452A, der doppelt so hoch ist wie für R454A.

30 Minuten geringere Abkühlzeit, zehn Prozent weniger Dieselverbrauch

Trotz der konstruktiven Anpassungen kommt weiterhin der Common-Rail-Diesel von Hatz als Antrieb zum Einsatz, laut Hersteller allerdings als thermodynamisch optimierte Version mit erweitertem Drehzahlband. So soll er eine verbesserte Leistung bieten und sich wie bisher auch mit dem CO2-neutralen Kraftstoff HVO100 betreiben lassen.

Die technischen Anpassungen hat Schmitz Cargobull zudem genutzt, um die Effizienz der Anlage zu optimieren. Die Kälteleistung soll bis zu sechs Prozent höher sein (9000 Watt bei minus 20 Grad Celsius statt bisher 8500 Watt beziehungsweise 17.300 Watt bei 0 Grad Celsius statt 16.000 Watt) und der Kraftstoffverbrauch um bis zu zehn Prozent geringer. Laut Jonathan Steckel, Leiter Produktmanagement Cargobull Cool, bedeutet das in der Praxis, dass die dc90 bei einer Außentemperatur von 30 Grad Celsius rund 30 Minuten weniger als das Vorgängermodell benötigt, um die Zieltemperatur von minus 20 Grad Celsius zu erreichen. Die höhere Leistung der Anlage sorgt neben dem schnelleren Pull-down auch für kürzere Laufzeiten und damit einen deutlich reduzierten Kraftstoffverbrauch.

Neue Bauart soll geringere Serviceaufwendungen ermöglichen

Neu ist auch der halbhermetische, zweistufige Hubkolbenkompressor. Dabei bildet der Kompressor eine Einheit aus Antriebsmotor und Gehäuse, der laut Hersteller reparierbar ist und die störanfällige Wellenabdichtung eines offenen Verdichters überflüssig macht. Das Ergebnis ist demnach ein technisch dichtes System, das die Anforderungen an den sicheren Betrieb mit R454A erfüllt und gleichzeitig die Servicefreundlichkeit erhält. Bisher musste die Wellendichtung alle sechs Jahre oder 9000 Betriebsstunden ausgetauscht werden, wozu die komplette Einheit ausgebaut werden musste. Außerdem entfällt das externe Rückschlagventil, das ebenfalls Reparaturkosten verursachen konnte. Laut Steckel verringert die Bauart die Wartungsaufwendungen und Geräuschemissionen – vor allem im Teillastbetrieb. Zusätzlich sinkt durch die baulichen Anpassungen die Kältemittelmenge gegenüber dem Vorgängermodell um ein Kilogramm auf rund fünf Kilogramm.

Im Gegensatz zum bisherigen Kältemittel entspricht R454A der Sicherheitsklasse A2L und ist somit leicht brennbar beziehungsweise schwer entflammbar. Ein Gas-Warn-Sensor ist im Laderaum aber nicht nötig. Weiterhin besteht allerdings die Pflicht zur jährlichen Dichtigkeitsprüfung.

Dieselangetrieben und optional auch elektrisch möglich

Neben dem Dieselbetrieb ist es auch möglich, die Anlage optional über die ePTO-ready-Schnittstelle und damit über den elektrischen Nebenabtrieb der Sattelzugmaschine rein elektrisch und lokal emissionsfrei zu betreiben. Dann bezieht die Anlage die Antriebsenergie von der E-Sattelzugmaschine; eine Hochvolt-Batterie am Trailer ist dafür nicht nötig. Damit die Kühlkette stets gewährleistet ist, schaltet die Kältemaschine automatisch auf den Dieselantrieb um, wenn keine elektrische Energie zur Verfügung steht.

Als erstes setzt Schmitz Cargobull das neue Kältemittel in der S.CU dc90 ein, als zweites will der Hersteller nach eigenen Angaben noch im ersten Quartal 2026 die d80 umstellen. Künftig soll es der Standard in allen S.CU für den europäischen Markt werden.

Jeder zweite Kühler in Europa stammt von Schmitz Cargobull

Laut Chief Sales Officer (CSO) Ralph Kleideiter stammt fast jeder zweite Kühlauflieger, der in Europa neu zugelassen wird, von Schmitz Cargobull (Marktanteil Geschäftsjahr 2024/2025: 48 Prozent). Das entspricht rund 15.000 Trailern. Davon besitzt inzwischen jeder vierte auch eine Transportkälteanlage des Fahrzeugbauers. Die Zahlen sind noch nicht final, Kleideiter erwartet für das bald abgelaufene Geschäftsjahr Absatzzahlen etwa auf Vorjahresniveau. Seit Fertigung der eigenen Transportkältemaschine im Jahr 2012 habe man rund 38.000 S.CU-Einheiten produziert.


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